Die kleine Genrefibel Teil 55: Sci-Fi Visions
Wenn in den kleinen Genrefibeln von Genre, Subgenres, dem Film an sich gesprochen wird, dann liegt in der Materie immer eine gewissen Arroganz. Manchmal scheint es so, als liege im Film der Wahrheit letzter Schluss. Das Unbekannte, Unerklärliche, das Phantastische, alles hat seine Wurzeln, alles beeinflusst die Kunst und irgendwann gibt es zu all dem auch einen Film, der die Dinge visuell und plastisch macht. Der Film war stets stolz darauf, durch seine Projektionsfläche am Ende auch die Zivilisation und Gesellschaft beeinflusst und neue Impulse und Gedankenanstöße geliefert zu haben. Doch gerade bei einer Säule der Phantastik schient diese Rechnung nicht aufzugehen – der Science-Fiction. Denn die raffiniertesten Fragen um den Stand der Zivilisation, der Gesellschaft, der Wissenschaft und der Technik stellte nicht der Film, sondern die Literatur.
STARFLIGHT ONE
Nun haben wir uns eine ganze Weile mit dem aktuellen Genrefilm beschäftigt, von der GENRENALE über Found Footage bis zur wirtschaftlichen und kulturellen Lage der europäischen Genreunion, da wird es langsam mal wieder Zeit für einen Blick zurück. Retrospektive nennen es die Kunstschaffenden, andere meinen damit eine Sehnsucht nach einer Zeit, in der angeblich alles besser war. Für manche existiert im Blick zurück nur der TERMINATOR und das ALIEN, ich für meinen Teil grabe in der Rubrik Retro Review auch gerne Filmperlen meiner Kindheit aus, nur liegen die meist noch eine Sedimentschicht tiefer im VHS-Grab verbuddelt. Manche hat man beinahe vergessen, wie auch den Filmklassiker aus dem Jahr 1983 STARFLIGHT ONE – IRRFLUG INS WELTALL.
Fantasy Filmfest Nights 2017
Zum Abschluss unserer kleinen Reise durch die aktuelle Genrefilmszene werfen wir einen kurzen Blick auf die diesjährigen Fantasy Filmfest Nights, welche am Wochenende in Berlin und Hamburg starten, gefolgt von Frankfurt, Köln, München, Nürnberg und Stuttgart am 29. und 30. April. Streng genommen sind es bereits die zweiten Nights in diesem Jahr nach der Winterausgabe im Januar, den White Nights 2, wo vor allem unterhaltsame Genrewerke wie SAFE NEIGHBORHOOD, HUNT FOR THE WILDER PEOPLE oder THE NIGHT WATCHMEN gezeigt wurden. Die echten Nights 2017 bieten dieses Jahr dann wieder filigranere Kost, weniger Horror, dafür umso mehr Plotkonstrukte um Isolation und Gefangenschaft.
Die kleine Genrefibel Teil 54: Found Footage
Angeblich leben wir in einer Zeit, in der Fake News und Alternative Fakten die Gemüter der Menschen erzürnen und auf die Barrikaden bringen. Da kann der Filmliebhaber nur müde lächeln und macht sich eine neue H-Milch auf. Denn Film war und ist schon immer Beschiss an der Wahrheit. Mag er auch noch so realistisch inszeniert sein, Film ist nun mal Film und nicht die Realität. Da wird gebogen, verbrämt und überschüssiges weggespachtelt, Zeiträume werden gerafft, Perspektiven verschwiegen, Informationen ausgespart und hier und da getrickst. Nix Neues eigentlich, es liegt in der Natur der Filmdinge. Aber manchmal lehnt sich der Film noch weiter aus dem Fiktionsfenster und macht es selbst dem Profi schwer zu unterscheiden, ob das nun ernst gemeint ist oder nicht. Denn die Kamera lügt nicht und Filmmaterial ist oft gleichbedeutend mit Beweismaterial.
Der Genre-Sonderbeauftragte der EU empfiehlt
Sehr geehrte hohe Vertreter des Rates der europäischen Union für Genrefilmpolitik, liebe Mitglieder des europäischen Parlaments, sehr geehrter Ausschussvorsitzender für ominöse Körperkultur und Bildung (OCCULT) Herr Martin Sonneborn. Hiermit lege ich, der EU-Sonderbeauftragte für Genrefilmangelegenheiten, meinen Quartalsbericht zur wirtschaftlichen und kulturellen Lage der europäischen Genrefilmkultur vor, dieser Bericht ist ein Folgebericht des Berichtes über die wirtschaftliche und kulturelle Lage der europäischen Genrefilmkultur vom Dezember 2016 basierend auf dem Änderungsantrag 3 (Vorschlag für einen Beschluss Erwägung 1b (neu)) für die Förderung der Genrekultur in der Europäischen Union zur Stärkung innereuropäischer Integration und Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Genrebelange gemäß Artikel 4 des Beschlusses Nr. 418/2016/EU.
Moo Moo Moonlight
Die 89. OSCAR-Kaninchen- und Taubenzuchtverleihungen, in diesem Jahr präsentiert von Eichelschmeichler der Firma Amorelie, wurden wie immer von Pro Sieben vor der Aufzeichnung ausgestrahlt und das bis zu fünf mal in über vierzig Städten Dänemarks. Eine technische Meisterleistung! Mixed Emotions vom Fahrbandrand, der rote Teppich als Gaumenzäpfchenverlängerung von Steven Gätjen. Wir sahen Viggo Mortensen und seinen unehelichen Sohn, den er mit Uwe Ochsenknecht hat, Nicole Kidman flog vorbei, Gätjen broll, doch die Kamera machte einen Schwenk und wir sahen Mel Gibson, der gerade zum achten Mal Vater geworden ist und sein neustes Töchterlein bereits zur Verleihung mitgebracht hat.
Die kleine Genrefibel Teil 53: Musik & Tanz
Die OSCARS stehen vor der Tür und der große Favorit bei den 89. Academy Awards heißt LA LA LAND mit 14 Nominierungen, so viele gab es seit TITANIC 1998 nicht mehr. Doch nicht jeder teilt die Euphorie über das Musical von Regisseur Damien Chazelle, im Gegenteil, LA LA LAND wird in den Internetforen reichlich beschimpft und angefeindet. So ergeht es vielen Filmen, die als OSCAR-Bait Dreck verschrien werden, Filme, die sich angeblich der Academy anbiedern, an ein Hollywood, welches wieder einmal nur sich selbst feiert. Doch bei LA LA LAND hat das noch einen spezielleren Grund, denn es ist ein Filmmusical und diese werden von Filmliebhabern leidenschaftlich gehasst. Nun ist LA LA LAND nicht nur ein Musical, es ist die Quintessenz des klassischen Hollywood Musicals schlechthin. Doch viele sehen in LA LA LAND weniger Hommage als Heuchelei, der Film sei völlig unpolitisch, übertrieben kitschig, ein Weichspülkonzentrat, gefährlicher Eskapismus in gefährlichen Zeiten und vor allem – diese unerträglich nervige, klebrige, schmalzbeutelig-triefende Musik!
Genre Made In Germany
Das Jahr 2017 ist ein besonderes Jubiläumsjahr, denn es rundet sich zum fünfhundertsten Male die Thesenverspachtelung der Wittenberger Schlosskirche durch den Genrefilmer Martin Luther, dem Urururonkel von Lex Luther. Damals ging es um Reformation, und dieser Vibe erklingt auch 500 Jahre später noch durch die BRD, die Betroffenheitsrepublik Deutschland. Denn es gibt noch so viele Dinge neben konfessioneller Abgrenzung und der Homogenisierung von Milch, die reformiert gehören in diesem Lande. Zum Beispiel die Filmkultur. Während auf der BERLINALE der Vakuumszustand der Bewältigungsfilmerei befeiert wird, beweist die GENRENALE mittlerweile zum 5. Mal in Folge, dass es in Deutschland durchaus auch Filmemacher gibt, die ihre Visionen um kontroverse, aufreibende und unangepasste Stoffe mit den Stilmitteln des internationalen Genrefilms realisieren wollen und das auch tun, gegen jeden Widerstand der fantasiefeindlichen und bürokratisch verwalteten Filmbranche Deutschlands, die scheinbar jeden Anschluss an den internationalen Markt verloren hat.
GENRENALE 5
Endlich ist der Januar vorbei und nun sind es nicht einmal mehr vierzehn Tage bis zur GENRENALE5 vom 13. – 16. Februar 2017. Richtig, die GENRENALE feiert bereits ihren fünften Geburtstag, seit 2013 steht das Festival für den deutschen Genrefilm und vor allem für die Filmemacher, die abseits der traurig langweiligen deutschen Filmlandschaft für ihre Visionen und vor allem für mehr Genrevielfalt kämpfen. Es ist ein Kampf, nach wie vor, aber besonders in diesem Jahr zeigen sich die ersten Früchte dieses Kampfes, denn nie zuvor war die GENRENALE üppiger und fantastischer.
Die kleine Genrefibel Teil 52: Maritimus
„Das Meer ist alles. Es bedeckt sieben Zehntel der Erde. Sein Atem ist rein und gesund. Es ist eine immense Wüste, wo ein Mann nie alleine ist, in dem er fühlen kann, wie das Leben aller in ihm bebt. Das Meer ist nur ein Behälter für alle die ungeheuren, übernatürlichen Dinge, die darin existieren; es ist nicht nur Bewegung und Liebe; es ist die lebende Unendlichkeit.“ – So beschrieb es Jules Verne in „20.000 Meilen unter dem Meer“. Genau, das Meer, Weltmeer, Ozean. Gewaltige Wassermassen von unbändiger Macht. Aber auch beseelt von inniger Sehnsucht. Was liegt wohl hinter dem Meer, am Ende des Horizonts? Was verbirgt sich unter der Wasseroberfläche, am Grunde des Ozeans? Welche Kreaturen verstecken sich in den Tiefen, welche Schätze sind dort zu finden?
