The Blumhouse Experience
Unter dem Hashtag #shocktober werden in Blogs und Foren momentan Horrorfilme besprochen, lobgehudelt oder verteufelt, ein schöner Brauch seit ein paar Jährchen. Denn alle wissen, der Oktober war schon immer der Horrormonat schlechthin. Ob im Kino, auf Blu-ray, DVD oder im TV, für Horrorfilme gibt es keine bessere Jahreszeit. Auch wir wollen an diesem Gelage teilhaben und erklären den Oktober auf Traumfalter Filmwerkstatt zum Horror-Special inklusive Retro Review und einer kleinen Genrefibel über Stephen King. Wir wollen aber nicht ausschließlich in der Vergangenheit weilen, sondern uns auch ein wenig mit der aktuellen Lage an der Horrorfilmfront beschäftigen. Funktioniert Horror noch immer global? Und wie wirkt sich das wirtschaftlich aus?
Die kleine Genrefibel Teil 48: Odýsseia
Weh mir! Zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen? Sind’s unmenschliche Räuber und sittenlose Barbaren; oder Diener der Götter, und Freunde des heiligen Gastrechts? Eben umtönte mich ein Weibergekreisch, wie der Nymphen, welche die steilen Häupter der Felsengebirge bewohnen, und die Quellen der Flüsse und grasbewachsenen Täler! Bin ich hier etwa nahe bei redenden Menschenkindern? Auf! Ich selber will hin, und zusehn, was es bedeute! Also sprach er, und kroch aus dem Dickicht, der edle Odysseus, brach mit der starken Faust sich aus dem dichten Gebüsche einen laubigen Zweig, des Mannes Blöße zu decken;
Die kleine Genrefibel Teil 47: Marvelous
Die Kleine Genrefibel ist zurück, sie war im Urlaub und hat sich einen Seeigelstachel eingetreten. Aua! Doch Urlaub hatte sie dringend nötig. In bislang 46 Folgen hat sie sich nicht nur durch diverse Subgenres geackert, sondern auch über den Genretellerrand geblickt, auf thematische Komplexe, Filmnationen und Franchisen. Denn die Welt des bewegten Bildes ist riesig und expandiert unentwegt. Am Anfang gab es lediglich Filme, dann folgten Fortsetzungen, Trilogien, Quadrologien und sogar Sagas. Im weltweiten Milliardengeschäft um Einspielergebnisse und Markenrechte aber bedurfte es einer weiteren Steigerung an Komplexität und Zuschauerbindung – das Filmuniversum.
Fantasy Filmfest 2016 Quick’n’Dirty
Wir beginnen heute mit einem Gedichtauszug von Christian Morgenstern: „Wenn der Bauer im Strudel mäht und die Wolken tief zu Tale höngen, wirst auch du Mariechen zu deinem Pferdchen kümmen!“ Was immer das auch heißen mag. Das 30. Fantasy Filmfest ist zu Ende oder auch nicht, wie das eben so ist im Vielvölkerstaat. Hier in Berlin jedenfalls ist´s passé und die Menschen freuen sich, endlich wieder ungestört JASON BOURNE kucken zu können. Wie in jedem Jahr picken wir uns die Rosinen aus dem Hundekuchen und schauen mal, welch gut gekutterte Genreware da über die Ladentheke gewandert ist. Fangen wir mal mit einem Film an, den ich gar nicht gesehen habe, weil mir die anderen einfach alle Karten vor der Nase weggekauft haben.
30. Fantasy Filmfest
Ob man nun will oder nicht, ein neues FANTASY FILMFEST steht an, ein Jubiläum zugleich, das internationale Genrefilm-Festival wird heuer dreißig Jahr. Was für ein schöner, runder Geburtstag. Wird dieser eventuell besonders zelebriert, mit eine Retrospektive vielleicht, einem Best of oder wird wenigstens Friedrich Wilhelm Murnau exhumiert und irgendwo aufgebahrt? Leider nein. Auf den ersten flüchtigen Blick kommt das 30. FANTASY FILMFEST 2016 ziemlich unspektakulär daher. Kein Midnight Madness mehr, auch kein Focus Asia, aber das war bereits im letzten Jahr so. Aber leider auch kein echtes Highlight trotz bunter Genremischung.
Debütantenball
Jetzt, da die Welt den Bach herunter geht und alle Idole so langsam wegsterben, was kann man da machen? Richtig, über Filme dampfplaudern. Es gibt ja so viel, was es noch zu sagen gäbe über dieses wunderbare Ding namens Film. Nicht alles passt immer in eine Genrefibel, Debütfilme zum Beispiel. Lasst uns über Debütfilme reden, genauer gesagt über Regiedebüts. Jeder Regisseur muss vor seinem zweiten Werk einmal ein Spielfilmdebüt inszeniert haben, so will es das Gesetz. Warum sind Regiedebüts wichtig? Weil sie die gramgebeutelte Künstlerseele beruhigen. Also nicht meine, die Zeiten sind vorbei. Aber junge Filmemacher können Hoffnung schöpfen, alle haben mal klein angefangen, mit mickrigen Budgets, dafür mit umso mehr Pfründen Leidenschaft.
11.22.63 Der Anschlag
Halbzeit im Kinojahr 2016. Doch so richtig aufregend war`s bislang nicht. Wieder einmal scheint sich zu bestätigen, im Fernsehen werden momentan die interessanteren Geschichten erzählt. 2016 könnte das Serienjahr schlechthin werden. PREACHER, JORDSKOTT, neue Staffeln von GAME OF THRONES, ORPHAN BLACK, MR. ROBOT, DAREDEVIL, GOTHAM, TWELVE MONKEYS und THE LEFTOVERS, nur TWIN PEAKS hat sich nach 2017 verkrümelt. Shame! Ding Ding Ding! Naja, nur kann man schlecht über Serien schreiben, denn einerseits wird man vom fiesen Spoilermob durch die Gassen gejagt, andererseits sind finale Serienfazits schwierige Angelegenheiten, wenn man noch wissentlich 3, 4 oder 5 Staffeln vor sich hat. Ein Dilemma. Ding Ding Ding.
Die kleine Genrefibel Teil 46: School’s Out
Die kleine Genrefibel meldet sich pünktlich vor den Sommerferien zurück. Wo war sie denn so lang? Hat sie etwa geschwänzt? Mitnichten, eine elterliche Entschuldigung wegen Husten und Schnupfen liegt vor. Aber auch Gewissensbisse und Zweifel nährten den Autor. Während das ganze Land über den Stand des deutschen Genrefilms diskutiert, fühlt sich eine Genrefibel über High School Komödien wie Verrat an. Doch ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn wenn es ein Subgenre in Deutschland gibt, was sich kulturell wie wirtschaftlich behaupten kann, dann ist es der Schulfilm. Ein Raunen geht durch die Bankreihen, er hat Genre, Deutschland und Wirtschaftlichkeit in einem Satz gesagt! Ja, hat er, und nun bitte Ruhe, sonst Hefte raus, Klassenarbeit!
Scheinwerfer
Licht. Du rätselhaftes Wesen. Wo kommst du her, du sichtbarer Teil des elektromagnetischen Spektrums? War früher wirklich alles dunkel, bis Gott sprach, es werde Licht? Man hat versucht, dich zu vermessen, man trug dich säckeweise in dunkle Rathäuser, aber du warst einfach nicht zu fassen. Bis dich Thomas Edison mit Hilfe von Elektrizität unterwarf und dich in Glühbirnen stopfte. Für teuer Geld, wohlgemerkt! In muffigen Großraumbüros aber war´s dir irgendwann zu langweilig, du wolltest berühmt sein, ein heller Stern am Broadway. So gingst du zum Film. Schwere Buben trugen dich von Set zu Set, du wurdest kilowattweise im Studio verstreut, auf geschminkte Gesichter geworfen und wieder eingefangen durch die Camera Obscura.
Die kleine Genrefibel Teil 45: Im Giftschrank
Der Horrorfilm. Was hat er nicht alles ertragen müssen im Laufe der Filmgeschichte? Beschimpft hat man ihn, bepöbelt, mit faulem Steinobst beworfen, der Ketzerei bezichtigt. Wie damals beim Rock`n Roll! Horror- und Genrefans leiden seit jeher unter Rechtfertigungszwang. Spricht man heute von Horrorfilmen, wird oft mit hochtrabendem Besteck jongliert. Horror speist sich aus unseren Urängsten, ist tief psychologisch verwurzelt, ein gesellschaftlicher Spiegel, ein Bruch mit dem Realismus, in dem er dennoch stark verankert ist. Und es stimmt. Doch ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn eine tragende Säule des Horrorfilms war und ist immer noch die explizite Darstellung von Gewalt, Schmerz und Tod, die wohl größten Urängste überhaupt. Nicht nur Protagonisten haben sich ihnen zu stellen, auch Filmkonsumenten. Angst und Ekel sind effektive Brandbeschleuniger und jeder Fan weiß um die Faszination von Gewalt im Film. Lasst uns deshalb endlich darüber reden, über das, was Horrorfilme schon immer ausgemacht hat – Blut, Gehirn, Knochenmehl, Eingeweide und Gekröse.
