HEATHERS

Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahren feierten einige Regisseure ihre größten Erfolge, Tim Burton, die Coen-Brothers, Robert Zemeckis oder Quentin Tarantino, alles Namen, die auch heute noch erfolgreich im Schaugeschäft tätig sind. Ein Name allerdings gehört nicht dazu, obwohl auch er ein ganz großer seiner Zunft hätte werden können – Michael Lehmann. Noch nie von Michael Lehmann gehört? Tja, wie das so ist in Hollywood, es braucht nur einen veritablen Flop und schon darf man nur noch ganz kleine Brötchen backen. Michael Lehmann gewann bereits mit seinem Spielfilmdebüt HEATHERS 1990 den Independent Spirit Award. Ein Jahr später drehte er mit MEET THE APPLEGATES eine ebenso bissige Satire, in der sich eine unbekannte Käferart als brave US-Familie tarnt, um ein Atomkraftwerk in die Luft zu sprengen.

Ich bin real, Alter!

Als ich letzte Woche auf dem FILMFEST DRESDEN war, verschlug es mich zu Beginn in einen großen Supermarkt. Ich wollte mich mit dem eindecken, was man so braucht für eine Woche Filmfest, sächsischer Leberkäse, Mangosaft, Haribo Tropifrutti, Kokosnüsse, das ganze Ballett. Während ich so durch die Regalreihen schlenderte, flankierte ein hipper Jugendlicher mit Basecap, zerschlissenen Trainingshosen und Kapuzenpulli der Marke Bench meinen Weg. Ich folgte ihm eine Weile unbewusst, als sein Smartphone zu schellen begann. Er ging ran und sagt: „Yo?“, dann ward es einen kurzen Moment still, bis er überschwänglich äußerte: „Isch bin real! Isch bin real, Alter!“ Soll nochmal einer sagen, die Jugend von heute beschäftige sich nicht mit philosophischen Lebensfragen.

Das Bose Rumburak

So Leute, die Fastenzeit is nun schon eine ganze Weile vorbei und wir wollen es im April mal wieder etwas ruhiger angehen lassen. Ihr könnt also eure Notizblöcke weglegen, wir reden heute mal frei. So wie damals, als der Lehrer in die Klasse kam, keinen Bock auf Unterricht hatte, sich stattdessen an den Lehrertisch flätzte und seine Schüler über das TV-Programm vom Wochenende diskutieren ließ, weil er selber am Vortag zu lange in Eierlikör gesessen hatte. Oder so ähnlich. Das heißt nicht, dass ich keinen Bock habe, ich gehe derzeit Lohn- und Brotarbeit nach, harre auf das Filmfest Dresden und schneide Live-Videos der famosen Punkrockband Pub´n´Steel. Und während ich da so vor mich hinschnott, schielte ich immer auf eine neue Electro/Industrial-CD da auf meinem Schreibtisch, die ich gern wieder und wieder hören hätte wollen. Ging aber nicht. Wenn man Punkrock-Live-Videos schneidet, kann man nicht gleichzeitig Electro-Mukke hören. Das überschneidet sich, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die kleine Genrefibel Teil 44: Netzwelt

In gewisser Hinsicht ist der Science-Fiction-Film ein Genre mit Verfallsdatum. Denn im Bereich Science-Fiction ist das Thema bestimmender als dramaturgische Aspekte. Es geht um den Stand von Wissenschaft und Technik, um Gesellschaft und Evolution der Gattung Mensch von der Gegenwart bis in eine mögliche Zukunft. Einige Themenbereiche der Science-Fiction wurden von der Realität eingeholt bzw. überholt. Nuklearwaffen, Gensplicing, Robotik oder Künstliche Intelligenz sind heutzutage nur allzu real, einzig Reisen in den interstellaren Raum oder durch die Zeit scheinen noch echte Science-Fiction zu sein. So sind auch die Themenbereiche Computer, Internet, Kommunikation und Interaktion in sozialen Medien recht schnell von der Vision zur Wirklichkeit gereift, schneller als sonst ein Feld in der Wissenschaft und Technik. Das wollen wir uns heute einmal genauer anschauen, wie hat das Internet den Film beeinflusst und verändert.

Fantasy Filmfest Nights 2016

Die Fantasy Filmfest Nights 2016 nähern sich mit großen Schritten und wir wollen mal wieder einen kleinen Blick auf das Programm werfen. Ich verstehe die Nights immer als eine Art Carte Blanche quer durch den Genregemüsegarten, andere wiederum bezeichnen das Festival aus dem Hause Rosebud als Marketingvehikel für kommende Heimauswertungen. Wie auch immer. Fakt ist, es gibt gute und schlechte Jahrgänge, auf das fulminante Jahr 2013 (STOKER, THE SEASONING HOUSE, JOHN DIES AT THE END) folgte ein schwächerer Jahrgang 2014 (THE GREEN INFERNO, WOLF CREEK 2), letztes Jahr ging es durch GERMAN ANGST, A GIRL WALK HOME ALONE AT NIGHT und CUB wieder aufwärts, die ersten White Nights im Dezember waren dann aber wieder nur mittelprächtig (BASKIN, DEMON). Egal, Schwamm drüber, die Nights 2016 sind wieder über die Maßen verzückend!

Ein gutes Script …dank Chappi!

In der illustren Reihe „Script Development“ haben wir uns bislang Drehbuchaspekten von allerlei Seiten genähert. Es gibt Geschichten und Plots in unterschiedlichsten Zeiträumen und Lokalitäten, Figuren und deren Hinter- wie Beweggründe, Berufe und Berufungen, Dialoge, darüber hinaus Tools wie Titel, Untertitel, Loglines und Voice Over. Bleibt da noch überhaupt noch etwas übrig im dichten Dschungel der Filmstoffentwicklung? Wer achtet auf die kleinen Dinge? Wenn Protagonisten morgendlich vor dem Spiegel stehen und sich Zahnpasta auf die Bürste schmieren, sich in ihre Klamotten zwängen und mit dem Rennrad zur Arbeit fahren, ihre Smartphones malträtieren, heimlich auf dem Klo Comics lesen und nach Feierabend ihren Setzkasten neu bestücken, da heißt es Obacht für Autoren wie Requisiteure.

Bärendienst nach Vorschrift

Ein halb geleckter Bär, dem Hochgebirg‘ entstammt, lebt‘, gleich Bellerophon, den einst das Schicksal steigen und fallen ließ, im Wald zur Einsamkeit verdammt. Indes der Bär also hier der Schwermut sich ergeben, langweilte ganz auf gleiche Weis‘ in seiner Nähe sich ein Greis, ein Gartenfreund, der in Pomonas Dienste schaltet‘ und Floras Priesteramt verwaltet‘. „Schön ist dies Doppelamt; doch glaub‘ ich, schöner sei’s in liebenswürd’ger Freunde Kreis.“ Ein Garten spricht nicht viel, außer in meinem Buche. Drum ging der Greis einst auf die Suche im Morgensonnenschein, der stummen Sippschaft satt, nach Freunden; querfeldein wandelt‘ er frisch und munter. Der Bär, der gleiche Absicht hatt‘, kam auch von seinem Berg herunter.

Die kleine Genrefibel Teil 43: Biopic

Einen wunderschönen Guten Tag, liebe Filmfreunde, kommen Sie rein, was darf´s denn sein? Die schlechte Nachricht allerdings gleich am Anfang, Genreware is leider aus diese Woche. Aber dafür haben wir ganz vorzügliches Biopic im Angebot. Aus ökologisch kontrolliertem Anbau natürlich. Ah nee, jetzt hab ich mich vertan, gleich am Anfang. Heute geht es natürlich nicht um Bio-Schweinefleisch, obwohl einige der lecker Filmchen durchaus ganz schöne Schinken sind, wie man sagt. Is ja auch nicht immer einfach, Kunstdinger von Kunstdünger zu unterscheiden. Es ist OSCAR-Zeit und deshalb servieren wir heute Biopics. Na gut, dann nehme ich 500 Gramm Mozartkugeln, ein Pfund Schillerlocken und zwei Bismarckheringe. Dazu ein Glas MILK.

Die neue Unwirklichkeit

Eine Hauptstadt im Festivalfieber. Ganz Berlin ächzt unter der Knechtschaft von Gaius Julius Kosslick. Ganz Berlin? Nein, ein kleines Kino in Mitten der Mitte leistet nun schon seit vier Jahren Beihilfe zum Widerstand. Die GENRENALE, das Festival für den deutschen Genrefilm, das Bollwerk gegen die Uniformität filmischer Kältestarre und Mutlosigkeit im deutschen Betroffenheitskino und Betäubungsfernsehen, hat erfolgreich ihren vierten Staffellauf absolviert und purzelte am Donnerstag Nacht über die Zielgerade. Erster! Mit großem Abstand zur BERLINALE.

Martyrs, Martyrs

Horrorfilme sind wie gute Weine, dunkelrot, trocken und wohlig im Abgang. Und wie beim Wein gibt es gute und weniger gute Jahrgänge. 2008 ist ein solcher besonderer Jahrgang für den Horrorfilm. Als Indikator dafür dient manchmal das FANTASY FILMFEST, auf dem in eben diesem Jahr 2008 moderne Klassiker wie EDEN LAKE, INSIDE, FRONTIER(S), REC, THE STRANGERS oder SO FINSTER DIE NACHT aufgeführt wurden. Und obwohl ich selbst gar nicht auf den NIGHTS oder dem FANTASY FILMFEST 2008 war, drang eine Kunde auch an mein Ohr. Es erinnerte mich an die gute alte Zeit, in der man noch ahnungslos von so mancher Horrorperle erfuhr, die man unbedingt gesehen haben musste. Ein Raunen ging durch die Foren, da gibt es einen Film, der alles Vorstellbare sprengt, der so extrem und kontrovers war, dass man sich vor ihm fürchten müsse – MARTYRS von Pascal Laugier.