Die kleine Genrefibel Teil 22: Bel Franco
Soyez les bienvenus, liebe Genrefreunde, zu einer neuen Ausgabe der Kleinen Genrefibel, die es nicht minder in sich hat als so manch andere Genresparte, denn wir feiern heute vor allem Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung und hemmungslosen Alkoholismus. Noch schöner wäre es, wenn eine entzückende Stimme mit gans kleine französische Accent das ier spreschen gönnte, abäär das geht leider nischd, es sei denn, irgendwann erscheint mal eine Öhschbielfassung. Genug erzählt, äh…genug der Vorrede, meine ich. War es mit Werwölfen, Trash und Cop Movies letztlich dezent düster in der Fibel, widmen wir uns heute wieder einem heiteren Thema, einem kleinen Stückchen der großen Subgenretorte, eine Torte wie…ja genau, wie diese Torte hier:
Apfel-Sherlock, Birnen-Batman
Sherlock Holmes ist zurück. Nach zwei Jahren des darbenden Wartens und manischer Grübelei, wie es der cleverste Detektiv der Popgeschichte geschafft hat, seinen eigenen Tod vorzutäuschen, ist die britische Erfolgsserie auch über den deutschen Äther gelaufen und steht nun frisch im heimischen Konsum für den täglichen Gebrauch. Was für ein Satz! Sherlock ist zurück, in der mittlerweilen dritten Staffel seit der deutschen Erstausstrahlung im Juli 2011. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht. Zwar wird man sich auf eine vierte Staffel erneut zwei Jahre gedulden müssen, Serien-Showrunner Steven Moffat aber vergewisserte, dass das Franchise so noch eine ganze Zeit lang laufen kann. Für Fans von SHERLOCK, zu denen ich auch gehöre, eine ziemlich fantastische Nachricht. Denn man soll überhaupt nicht aufhören, wenn´s am Schönsten ist, das hab ich noch nie kapiert.
Die kleine Genrefibel Teil 21: Cop Land
Mit Filmen ist das so eine Sache. Entspannend sollten sie sein, aber auch spannend. Der eine will eine Auseinandersetzung mit der Realität, ein anderer will ihr entfliehen. Diese Flucht muss nicht ständig in die Phantastik münden. Denn Phantastik entsteht auch immer dort, wo einem Erfahrungswerte fehlen, im Unbekannten. Manche interessiert das Leben auf dem Planeten Koozebane, andere würden gern wissen, wie es wohl wäre, im Knast! Natürlich nicht am eigenen Leib, aber im Kino? Mal eine Bank ausrauben, illegale Autorennen, ein Ding drehen? Das Verbrechen ist vielleicht eine der größten Sehnsüchte, wenn man stinkigen Großraumbüros, nervigen Vorgesetzten und der Langeweile des Alltags überdrüssig ist. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn ein nicht minder großer Reiz geht auch von der Verbrechensbekämpfung aus.
cool open
Kann sich noch jemand an den Film SPHERE mit Dustin Hoffman und Sharon Stone aus dem Jahr 1998 erinnern? Nein? Ich auch nicht so richtig. Woran ich mich aber noch gut erinnern kann, ist ein kurzes Gespräch mit einem Kinokollegen, der befand, jener Film sei seltsam. „Wieso fängt der eigentlich mit dem Abspann an?“. Das hat meine Stirn etwas runzeln lassen, aber ok, manche Leute waren nicht wirklich oft im Kino. Der Film SPHERE begann lediglich mit einer etwas ausladenderen Titelsequenz. Ich will auch gar nicht gleich wieder gehässig und arrogant werden mit Sprüchen wie „Niemand schätzt eine tolle Titelsequenz beim Film, heul heul!“. Denn vielleicht ist das gar nicht so, was weiß ich denn. Ich kann sehr gut verstehen, dass man, wenn man sich einen Film ansieht, gern einen Film sehen möchte und sich nicht erst durch das Impressum arbeiten will.
CAPTAIN BERLIN VERSUS HITLER
So, Freunde der leichten Unterhaltung. Kommen wir nun, nach der exorbitanten Kleinen Genrefibel Teil 20 zur Verleihung des Trash Awards für den besten Trashfilm aller Zeiten! Welcher Film könnte denn diese begehrte Trophäe abstauben…ach, scheiße, steht ja schon oben im Titel. Naja, dann wollen wir mal. Noch vor THE TOXIC AVENGER schafft es eine deutsche Produktion, bei mir am Trashsternhimmel gleich neben 00 SCHNEIDER – JAGD AUF NIHIL BAXTER den Müllolymp zu besteigen.
Die kleine Genrefibel Teil 20: Trash Award
„Junge, wie sieht das hier schon wieder aus? Räum deine Socken in den Schrank! Und was für einen Mist kuckst du dir da schon wieder an? Das is ja widerlich!“ Echt jetzt! Dieser ganze Müll um Mord und Totschlag, Blut, schreiende Weiber und grunzende Monster. Was hat man sich schon rechtfertigen müssen für seine Filmleidenschaft, wie viele Sprüche sind gefallen, wie viele Augenbrauen haben sich schon schwer entsetzt gehoben, dabei rotierte gerade mal THE ROCK im Videorekorder. „Was ist denn dieser Genrefilm?“ höre ich in regelmäßigen Abständen. „Ist das das mit Gewalt und Blut und Horror und so?“ schüttelt sich das Gegenüber. Gerne sagt man auch: „Naja, du kuckst dir ja jeden Quatsch an!“
Scheibenkleister
Fahrstuhl, Innen / Tag
Floyd und Telsa stehen im Fahrstuhl.
FLOYD
„Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn’s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen, und du hörst immer nur diesen einen Moment.“
Low
Ich bin wieder zurück von einer Woche FILMFEST DRESDEN. Vieles hat sich verändert. Mein Türschloss klemmt nicht mehr, ein untrügliches Zeichen für den beginnenden Sommer. Obwohl ich Sohn einer Physiklehrerin bin, weiß ich nicht recht wieso. Dehnt sich Holz oder Aluminium bei steigenden Temperaturen aus oder schrumpft? Den ganzen Winter über hat die dämliche Tür geklemmt. Jetzt lässt sie sich ganz leicht öffnen und schließen. Für die meisten sind solche Lappalien nur werkstoffbedingtes Arbeiten von Bauelementen. Bei mir ist das eher ein metaphorischer Fingerzeig. Im Sommer klemmt´s insgesamt weniger.
Die kleine Genrefibel Teil 19: Lykantropia
2013 war ein richtiges Jubiläumsjahr. 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig, wer erinnert sich noch? 50 Jahre James Bond, 100 Jahre Kreuzworträtsel. Aber vom entscheidendsten Jubiläum hat mal wieder keiner was mitbekommen. Auch der Werwolffilm wurde glatte 100. Glückwunsch, nachträglich. Wenn ich so über 100 Jahre Werwolf im Film nachdenke, bei einem Glas Ziegenmilch zum Beispiel, weitet sich mein Herz zu einem saftigen Steak. Denn der Werwolf als solcher hat maßgeblich meine sonderbare Lausbubenjugend geprägt. Vampire waren mir immer suspekt und viel zu dünn, Zombies zu ekelig und ebenfalls zu dünn, Haut und Knochen und ein wenig Moder. Geister, Hexen, Ghoule, kein Wesen der Phantasie konnte es mit der brachialen Wucht eines Werwolfs aufnehmen. Stark, animalisch, männlich, potent, kraftstrotzend, und dennoch ein Wesen mit tragischer Geschichte.
Timetravel-Double
Nun ist es fast ein Jahr her, als die erste Kleine Genrefibel über Zeitreisefilme erschienen ist. Weil das quantentechnisch von Bedeutung sein könnte, stellen wir eine Vergangenheit-Gegenwart-Achse her und schauen mal, was aus zwei der, damals zukünftigen, heute gegenwärtigen Zeitreisefilmchen geworden ist. Wenn die Analysen auch nicht von allumspannenden Raum-Zeit-Kontinuitätserkenntnissen geprägt sein werden, soviel kann ich schon mal orakeltechnisch vorgreifen, so bescheren sie vielleicht dem ein oder anderem Zeitreisefan einen launigen Filmabend.
