Die kleine Genrefibel Teil 15: Märchenfilme

Ach ja, Märchenfilme, das ist ein schönes Thema für Weihnachten. Da hab ich aber kürzlich gehört, dass das nervigste an Weihnachten, neben Weihnachten an sich, nicht „Last Christmas“ von Wham wäre, sondern der Film DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL. Entweder direkt nervig, weil einem dieses Klingeling-Lied aus den Ohren heraussuppt oder indirekt nervig, weil alle bei der bloßen Nennung des Titels DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL total hysterisch ausflippen, wie schön das is und dass man das Weihnachten immer kucken muss, weil man das jedes Weihnachten gekuckt hat. Das ist wie jedes Silvester dieses dämliche DINNER FOR ONE zu schauen und immer wieder lachen zu müssen, wenn der Butler über den Eisbären stolpert. Oder war´s ein Tiger? Woher diese plötzliche Aggressivität? Es soll doch besinnlich zu gehen heuer. Am Besten wir fangen nochmal an.

GRITTA VON RATTENZUHAUSBEIUNS

Während Pippi Langstrumpf oder Ronja Räubertochter heute weitestgehend als Kultfiguren gelten, ist die kleine Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns eher ein Geheimtipp unter den Kinderbuchheldinnen. Frei nach einem Roman von Gisela und Bettina von Arnim, die man eher noch vom 5-DM-Schein kennt, entstand 1985 einer der liebevollsten Kinderfilme aus der DEFA-Schmiede.

Die digitale Seele

Wenn ich in den letzten Tagen über das ausgehende Filmjahr 2013 nachdenke, welche Geschichten mich am meisten beeindruckt haben, dann fällt mir als Erstes gar kein Film ein, sondern ein Konsolenspiel. Das ist nichts ungewöhnliches, PC- und Konsolenspiele können inszenatorisch längst mit gängiger Blockbusterware konkurrieren, wirtschaftlich ohnehin – eine Großproduktion wie GTA 5 hat ein geschätztes Budget von ungefähr 200 Millionen Euro und erzielt in wenigen Tagen weltweit Milliardenumsätze.

Die kleine Genrefibel Teil 14: Surrealism

Am Ende der verschrobenen Reise erreichen Bill und Joan in einem weinroten Wohnmobilpanzer die Grenze nach Anexia. Beamte mit Chapkas und Maschinengewehren halten das Fahrzeug an und bitten Bill, sich auszuweisen, fragen ihn, wohin er will und welchen Beruf er bekleide. „Ich bin Schriftsteller.“ antwortet Bill, doch die Grenzbeamten sind skeptisch, das könne ein Jeder behaupten, er solle seine Aussage beweisen. Daraufhin dreht sich Bill zu seiner schlafenden Frau Joan um und bittet sie, mit ihm die Wilhelm-Tell-Nummer durchzuführen. Joan stellt sich ein Glas auf den Kopf, Bill zieht eine Pistole und schießt Joan in den Kopf. Sie ist tot. Die Beamten nicken zufrieden und reichen Bill seine Papiere:

Ein ZOMBIE lag im Briefkastenschlitz

Der Markt für reine Genremagazine ist in Deutschland ja nicht sehr groß. Früher habe ich die CINEMA gelesen, bis ich der Schreibe und dem ganzen Kommerzgeschwurbel überdrüssig wurde. Die CINEMA, so sehr sie mich begleitet hat, finde ich heute unlesbar. Aber gut, ein Genremagazin war das Heft ja nie, also las ich parallel immer den MOVIESTAR, der zwar layouttechnisch wie vom Stil her eher wie ein altes Vierkantbrot rüberkam, aber immerhin stärkeren Genrebezug hatte.

GENRENALE 2014

Während die BERLINALE in diesem Jahr zum 63. Mal stattfand, das FANTASY FILMFEST, eines der weltweit wichtigsten Genrefilm-Festivals überhaupt, bereits zum 27. Mal, schickt sich eine neue Plattform im Jahr 2014 an, frischen Wind in die hiesige Festivallandschaft zu bringen – die GENRENALE. Obwohl BERLINALE und FANTASY FILMFEST zwei Veranstaltungen sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, die Schnittmengen aus Genrefilm und Deutschland sind auf beiden Seiten gleichermaßen deprimierend. Während die BERLINALE nun nicht gerade als Genrefilm-Festival bekannt ist, bietet das FANTASY FILMFEST zwar superbe internationale Genrefilm-Produktionen, ein deutscher Beitrag gleicht aber weiterhin einer verlorene Injektionsnadel im Genrefilmheuhaufen. Deutschland und Genrefilm, das sind noch immer zwei schwer vorstellbare Angelegenheit.

HAUNTER

Vincento Natali ist ein ungewöhnlicher Filmemacher, seine Filme CUBE, CYPHER oder SPLICE sind seltsame Hybriden zwischen Science-Fiction und Horror. Dass Natali mit HAUNTER einen Mysterie-Geisterstreifen zwischen THE INNOCENTS und THE INNKEEPERS inszeniert, hat mich anfangs skeptisch gemacht. Denn Mysteriegeschichten um Geister in alten Häusern, die um Aufmerksamkeit ringen, gab es unzählige in den letzten Jahren und insgesamt wirkt das Subgenre, dessen große Highlights THE SIXTH SENSE und THE OTHERS waren, inzwischen angestaubt und storytechnisch monoton. Geist rüttelt am Geschirrspüler, der Tochter glaubt keiner, Tochter findet grausiges Geheimnis der Vergangenheit heraus, Tochter stellt den Untotenfrieden wieder her, am Ende finden alle raus, dass sie bereits tot sind. Nach diesem Muster laufen immer noch die meisten Mysteriefilme und es fing schon an, langweilig zu werden. Als HAUNTER auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest lief, interessierte mich der Streifen hauptsächlich wegen Natali und Abigale Breslin. Dass er nebenbei noch die beste Geisterstory seit Jahren liefert und zu den Genrehighlights 2013 zählt, hätte ich nicht vermutet.

Ode on Melancholy

Heute ist ein trauriges Datum. Der 13. November war seit jeher ein gebeutelter Tag. Am 13. November 1940 hatte Walt Disneys Film FANTASIA Premiere. Das war schön. Wolf Biermann kritisierte 1976 bei einem Konzert in Köln das DDR-Regime und wurde Tage später ausgebürgert. Das war weniger schön. Konstantinopel wurde an einem 13. November von feindlichen Truppen besetzt, Michael Schumacher gewann seinen ersten Weltmeistertitel und Ludwig VII. von Frankreich heiratet, und zwar seine dritte Frau. Das war 1160. 2013 hingegen schließt mein Kino. Nicht mein eigenes, meine Multiplexkinos laufen alle noch. Das Kino, was ich meine, hat sieben Jahre meines Lebens geprägt und geformt wie eine Tiefziehpresse Plastikboote. Nun gibt es am 13. November 2013 seine Abschiedsvorstellung.

Die kleine Genrefibel Teil 12: A.I. AKA K.I.

Eins der größten Themengebiete der Science-Fiction findet sich nicht in den Weiten des Weltraums, in außerirdischen Existenzen oder in den Fugen der Zeit, sondern in der Unfähigkeit des Menschen, außerhalb seiner biologischen Reproduktion, Leben zu erschaffen. Leben erschaffen, das war eine Gabe der Götter und somit eines der Urthemen in der Philosophie und der Kunst. Prometheus, der die Menschen nach dem Abbild der Götter formte und sie mit Eigenschaften ausstatte, die er den Göttern selbst stahl, Hephaistos, der die riesige bronzene Statue Talos zum Schutz von Kreta anfertigte bis hin zum Homunculus, einem künstlich erschaffenen kleinen Menschen. Doch die Erschaffung von Leben allein erfüllte kaum mehr den Zweck, als die eigene Sterblichkeit zu relativieren und einen Weg zu finden, den Tod zu besiegen.

Die Halloween Horrorfilmnacht

„Leichen pflastern unseren Weg, Schrecken ist hier Privileg. Ob in Wien oder in Berlin, nichts ist schöner als Halloween!“ trillern, tröten und krakeelen die Bewohner aus Halloweentown in TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS, als sie dem kitschverkleistersten Konkurrenzfeiertag Weihnachten den Kampf ansagen. Richtig so! Weihnachten nervt! Halloween hingegen ist mir grundsätzlich sympathisch, ein lustiger Tag fürwahr, an dem kleine Kinder mit Messern und Äxten im Schädel minütlich HARTZ 4 Empfänger aus ihren Sesseln klingeln, bis diese Amok laufen, Nötigung oder Erpressung nicht gefahndet und geahndet wird („Wir sind kleine Geister, essen gerne Kleister, wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hier kleben!“) und am Ende dann noch´n Kürbis aus der Hosentasche geholt und mittels Kartoffelschäler eine Fratze des Schreckens schnitzen. Hab ich mal gemacht, Riesensauerei!