Aller guten Dinge sind drei – Dreierhopp, flotter Dreier, die Heilige Dreifaltigkeit. Und auch das FANTASY FILMFEST geht im Jahr 2017 des Herrn bereits in die dritte Runde. Wie das? Nun ja, nach den WHITE NIGHTS im Januar (mit HUNT FOR THE WILDER PEOPLE, SAFE NEIGHBORHOOD & THE MONSTER) und den regulären NIGHTS im April (mit SWEET, SWEET LONELY GIRL, THE BELKOW EXPERIMENT & THE LIMEHOUSE GOLEM) tourt im September nun das Hauptfestival durch sieben deutsche Städte. Nach dem 30. Jubiläum im letzten Jahr nun also endlich wieder das volle, internationale Genreprogramm, ein Crowd Pleaser zur Eröffnung, 10 neue Fresh Blood Anwärter und endlich auch mal wieder eine Retrospektive. Willkommen zum 31. FFF 2017.
Das Jahr 2017 ist ein besonderes Jubiläumsjahr, denn es rundet sich zum fünfhundertsten Male die Thesenverspachtelung der Wittenberger Schlosskirche durch den Genrefilmer Martin Luther, dem Urururonkel von Lex Luther. Damals ging es um Reformation, und dieser Vibe erklingt auch 500 Jahre später noch durch die BRD, die Betroffenheitsrepublik Deutschland. Denn es gibt noch so viele Dinge neben konfessioneller Abgrenzung und der Homogenisierung von Milch, die reformiert gehören in diesem Lande. Zum Beispiel die Filmkultur. Während auf der BERLINALE der Vakuumszustand der Bewältigungsfilmerei befeiert wird, beweist die GENRENALE mittlerweile zum 5. Mal in Folge, dass es in Deutschland durchaus auch Filmemacher gibt, die ihre Visionen um kontroverse, aufreibende und unangepasste Stoffe mit den Stilmitteln des internationalen Genrefilms realisieren wollen und das auch tun, gegen jeden Widerstand der fantasiefeindlichen und bürokratisch verwalteten Filmbranche Deutschlands, die scheinbar jeden Anschluss an den internationalen Markt verloren hat.
Ob man nun will oder nicht, ein neues FANTASY FILMFEST steht an, ein Jubiläum zugleich, das internationale Genrefilm-Festival wird heuer dreißig Jahr. Was für ein schöner, runder Geburtstag. Wird dieser eventuell besonders zelebriert, mit eine Retrospektive vielleicht, einem Best of oder wird wenigstens Friedrich Wilhelm Murnau exhumiert und irgendwo aufgebahrt? Leider nein. Auf den ersten flüchtigen Blick kommt das 30. FANTASY FILMFEST 2016 ziemlich unspektakulär daher. Kein Midnight Madness mehr, auch kein Focus Asia, aber das war bereits im letzten Jahr so. Aber leider auch kein echtes Highlight trotz bunter Genremischung.
In einem altdeutschen Kinderspruch heißt es: „Erst Eins, dann Zwei, dann Drei, dann Vier, dann steht die GENRENALE vor der Tür.“ Also sinngemäß! Bald ist es wieder soweit und die blutverschmierten Pforten in die Untiefen des deutschen Genrefilms öffnen sich erneut, dass es nur so knarrt. KEEP IT UNREAL heißt das Motto der diesjährigen vierten Ausgabe des Festivals, welches exklusiv dem deutschen Genrefilm gewidmet ist. Wie im letzten Jahr gibt es an zwei vollen Tagen wieder Action, Science Fiction, Fantasy, Horror, Mystery und Neo Noir, verpackt in illustre Shorts-Rollen, dazu das MORBIDO Special, Pitching, Podium und Preisverleihung.
Mit Filmen ist das so eine Sache. Entspannend sollten sie sein, aber auch spannend. Der eine will eine Auseinandersetzung mit der Realität, ein anderer will ihr entfliehen. Diese Flucht muss nicht ständig in die Phantastik münden. Denn Phantastik entsteht auch immer dort, wo einem Erfahrungswerte fehlen, im Unbekannten. Manche interessiert das Leben auf dem Planeten Koozebane, andere würden gern wissen, wie es wohl wäre, im Knast! Natürlich nicht am eigenen Leib, aber im Kino? Mal eine Bank ausrauben, illegale Autorennen, ein Ding drehen? Das Verbrechen ist vielleicht eine der größten Sehnsüchte, wenn man stinkigen Großraumbüros, nervigen Vorgesetzten und der Langeweile des Alltags überdrüssig ist. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn ein nicht minder großer Reiz geht auch von der Verbrechensbekämpfung aus.