Manche Leute sagen, es gibt Gespenster. Manche Leute sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage, da gibt es noch ganz anders Gefleuch zwischen den Sphären, welches einem Angst einjagen kann. Vom lakierten Schlossgespenst bis zum Poltergeist Santana, welcher rasselt mit sein‘ Ketten, dass das Gebälk erzittere, von ruhelosen Geistern in verfluchten Häusern bis zu Dämonen, die sich in deinem Leib einnisten und deine Seele umklammern. Schaurig, schaurig, aber so steht es geschrieben. Und so wurden sie auch auf Zelluloid gebannt, Geister, Dämonen und Spukgestalten in ihrer schrecklichen Durchsichtigkeit wie Undurchsichtigkeit. Doch gleichsam auch Wesen mit überaus tragischer Vergangenheit im Diesseits und voller Sehnsucht nach Erlösung im Jenseits.
Anfang der 90er Jahre, als nach dem Ende des kalten Krieges die weltlichen Schranken West und Ost fielen und die Globalisierung ihren Lauf nahm, galt er noch als Geheimtipp für hauptsächlich durch US-amerikanische Filme geprägte Cineasten mittleren Baujahrs – dabei hatte der asiatische Film bereits eine ebenso bewegte Kulturgeschichte hinter sich und vor allem noch vor sich. Obwohl sich kein Filmmarkt weltweit so schnell und kreativ weiterentwickelt hat wie das ostasiatische Kino, für manche blieb es auf ewig ein Pergament mit sieben verschnörkelten Schriftzeichen. Krude japanische Animes, Martial Arts Action aus Hong Kong, Bollywood, die Ballerepen eines John Woo oder der gute alte Godzilla, der Diskurs über das asiatische Kino schien damals, abseits dieser Schlagworte, nur unter echten Filmfreaks und Nerds stattzufinden. Heute, knapp 30 Jahre später, ist die Sicht eine völlig andere, denn die internationale Filmlandschaft und neue kreative Impulse werden maßgeblich vom asiatischen Kino bestimmt.
Da ist er wieder, der von Horrorfans am innigsten geliebte Monat des Jahres – der Shocktober. Er liegt zwischen dem septischen Tember und dem nosferatischen November, auch Schlachtmond oder Nebelung genannt. Schon in des Menschen Frühzeit hat sich der selbige mit allerlei Gruseleien verdingt, es war die Zeit der langen Pappnasen und Steuerrückbescheide, purer Horror von der Maas bis an die Memel. Auch vergiftetes Essen wurde gereicht. Bis heut hat sich die Homo Saper den Feinsinn für das Schröckliche bewahrt, im Schocktober werden Horrorfilme zelebriert und vor allem referiert, dass es nur so splattattert. Soll uns Recht sein, da machen wir mit. Doch wagen wir uns tief ins Horrorarchiv vor, wo kaum eine Leich je zuvor war und graben mit stumpfen Nägeln die vergessenen Highlights der Horrorfilmgeschichte frei, die da ungesehen vor sich hinmodern.
Vincento Natali ist ein ungewöhnlicher Filmemacher, seine Filme CUBE, CYPHER oder SPLICE sind seltsame Hybriden zwischen Science-Fiction und Horror. Dass Natali mit HAUNTER einen Mysterie-Geisterstreifen zwischen THE INNOCENTS und THE INNKEEPERS inszeniert, hat mich anfangs skeptisch gemacht. Denn Mysteriegeschichten um Geister in alten Häusern, die um Aufmerksamkeit ringen, gab es unzählige in den letzten Jahren und insgesamt wirkt das Subgenre, dessen große Highlights THE SIXTH SENSE und THE OTHERS waren, inzwischen angestaubt und storytechnisch monoton. Geist rüttelt am Geschirrspüler, der Tochter glaubt keiner, Tochter findet grausiges Geheimnis der Vergangenheit heraus, Tochter stellt den Untotenfrieden wieder her, am Ende finden alle raus, dass sie bereits tot sind. Nach diesem Muster laufen immer noch die meisten Mysteriefilme und es fing schon an, langweilig zu werden. Als HAUNTER auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest lief, interessierte mich der Streifen hauptsächlich wegen Natali und Abigale Breslin. Dass er nebenbei noch die beste Geisterstory seit Jahren liefert und zu den Genrehighlights 2013 zählt, hätte ich nicht vermutet.