Posts Tagged: Gewalt

Die kleine Genrefibel Teil 45: Im Giftschrank

Der Horrorfilm. Was hat er nicht alles ertragen müssen im Laufe der Filmgeschichte? Beschimpft hat man ihn, bepöbelt, mit faulem Steinobst beworfen, der Ketzerei bezichtigt. Wie damals beim Rock`n Roll! Horror- und Genrefans leiden seit jeher unter Rechtfertigungszwang. Spricht man heute von Horrorfilmen, wird oft mit hochtrabendem Besteck jongliert. Horror speist sich aus unseren Urängsten, ist tief psychologisch verwurzelt, ein gesellschaftlicher Spiegel, ein Bruch mit dem Realismus, in dem er dennoch stark verankert ist. Und es stimmt. Doch ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn eine tragende Säule des Horrorfilms war und ist immer noch die explizite Darstellung von Gewalt, Schmerz und Tod, die wohl größten Urängste überhaupt. Nicht nur Protagonisten haben sich ihnen zu stellen, auch Filmkonsumenten. Angst und Ekel sind effektive Brandbeschleuniger und jeder Fan weiß um die Faszination von Gewalt im Film. Lasst uns deshalb endlich darüber reden, über das, was Horrorfilme schon immer ausgemacht hat – Blut, Gehirn, Knochenmehl, Eingeweide und Gekröse.

Die kleine Genrefibel Teil 11: Serienkiller

Was ist das Faszinierende am Medium Film, an Geschichten, oder weitergefasst, an der Kunst selbst? Was sind die Antriebsmotoren, die Beweggründe, was bildet die Kunst eigentlich ab? Der Mangel des Vollkommenen, der Gewinn von Erkenntnis, das Hinterfragen des eigenen Ich´s innerhalb einer Gesellschaft? Da der Film ein visuelles Medium ist, bietet er die Möglichkeit, Dinge sichtbar zu machen, die in der Realität verborgen liegen. Sind Geschichten deshalb grundlegend bezogen auf Wünsche oder Sehnsüchte? Wissensdurst, die Suche nach Liebe, nach dem Sinn unseres Seins? So sehr beispielsweise Liebe Geschichten und Filmen eine thematische Basis bieten, sie ist selten das erste, was einem einfällt, wenn es um die Faszination menschlichen Verhaltens geht. Denn neben dem Sexualdrang ist es vor allem die Verhaltensweise Aggression, die anthropologisch gesehen die wichtigste Eigenschaft des Überlebens darstellt. Schlichter ausgedrückt, nichts fasziniert dem Mensch in der Erschaffung und Rezeption von Kunst so sehr wie Gewalt. Gewalt gehört zur Grundausstattung des Menschen, und er reibt sich weniger an dieser Tatsache selbst als im Versuch, sie mit den selbstaufgestellten, moralischen Auffassungen der Gesellschaft in Einklang zu bringen.

ONLY GOD FORGIVES

Die Filme des Dänen Nicolas Winding Refn sind nicht unbedingt jedermanns Sache. Neben der PUSHER Trilogie, die ich erst sehr spät gesehen habe, hat mich vor allem BRONSON mit Tom Hardy begeistert. Seit DRIVE aus dem Jahr 2011 ist Refn einem größeren Publikum bekannt. Trotz Ryan Gosling ist DRIVE aber weit entfernt von massentauglichem Feel-Good-Entertainment. Refn inszeniert sperrige, schweigsame und abgründige Reflektionen von Gewalt und Gegengewalt. Sein neuer Film ONLY GOD FORGIVES treibt beide inszenatorischen Pfeiler von Refn noch auf die Spitze: stilisierte Langsamkeit und emotionslose Brutalität.