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Ich bin real, Alter!

Als ich letzte Woche auf dem FILMFEST DRESDEN war, verschlug es mich zu Beginn in einen großen Supermarkt. Ich wollte mich mit dem eindecken, was man so braucht für eine Woche Filmfest, sächsischer Leberkäse, Mangosaft, Haribo Tropifrutti, Kokosnüsse, das ganze Ballett. Während ich so durch die Regalreihen schlenderte, flankierte ein hipper Jugendlicher mit Basecap, zerschlissenen Trainingshosen und Kapuzenpulli der Marke Bench meinen Weg. Ich folgte ihm eine Weile unbewusst, als sein Smartphone zu schellen begann. Er ging ran und sagt: „Yo?“, dann ward es einen kurzen Moment still, bis er überschwänglich äußerte: „Isch bin real! Isch bin real, Alter!“ Soll nochmal einer sagen, die Jugend von heute beschäftige sich nicht mit philosophischen Lebensfragen.

…sometimes in the blue room

Ein leichtes leises Säuseln. Das Warten vor der Dekompressionskammer. Fremde Hände an Schultern, Hüfte, Fußfesseln. Schlüssel, Smartphone, Sonnenbrille, Tabak – keine Defekte.

 

Druckabfall nach der Schleuse.

 

Verengung der Pupillen, wittern des Pulses. Bel, Dezibel, Butterworth-Filter. Die Zunge trocken. Unterwegs in einer Melange aus Jetlag und Alkohol. Soundmembran. Weiter, weiter, ignoriere das Murmeln, beats per minute, Wellenlänge. Plug in.

 

Sometimes in the blue room, another dream fades away. Zwei Magnete. Abwesenheit von Kronkorken, offen für alles. Das erste Bier schmeckt metallisch. Kopfnicken am Tanzflächenrand, zu spät um sich fallen zu lassen. Warten. Akustischer Szenenwechsel.

It’s not who I am underneath…

Die vier hilfreichsten Eigenschaften eines Autors sind Phantasie, Imaginationsgabe, Vorstellungskraft und das Talent, möglichst viele Synonyme für ein und denselben Begriff zu finden. „Drehbuch ist Handwerk“, sagen die einen. „Buuu“ rufen die anderen, wo bleibt die Phantasie. Es ist schon hilfreich, wenn man über die Fähigkeit verfügt, Geschichten oder Figuren weiterzuspinnen, nach Möglichkeit dramatisch, mit Zunder. Dafür braucht man mit Sicherheit Phantasie. Aber ist Phantasie ein schöpferischer Akt? Ist es Phantasie, die eine Kettenreaktion auslösen kann, wo ist der Ursprung von Geschichten, besser, wo ist der Ursprung von Figuren?

corps d’amour

Wenn ich mal nicht Drehbücher überarbeite, Stoffe entwickle, logline oder pitche, verfalle ich ab und zu in die dunkle Seite des Script-Doktoren-Daseins. Ich gehe dann die Kellertreppe hinab in mein kleines Labor, welches ich mir aus Yps-Helften, alten Schrauben und Muttern und lediglich mit einem Stück Bast zusammengeschraubt habe. Dort auf dem Seziertisch, einer alte Werkbank, mache ich mich daran, an unschuldigen Hollywoodschönheiten herum zu operieren. Dazu bringt mich einerseits mein darwinistischer Forscherdrang, andererseits profane Dinge wie Langeweile, Neugierde gegenüber weiblichen Reizen oder das Herbeisehnen eines kreativen Impulses.