„Mein liebes Mägdchen glaubet beständig steif und feste, an die gegebnen Lehren der immer frommen Mutter; als Völker an der Theyse an tödtliche Vampiere heyduckisch feste glauben. Nun warte nur Christianchen, du willst mich gar nicht lieben; ich will mich an dir rächen, und heute in Tockayer zu einem Vampir trinken. Und wenn du sanfte schlummerst, von deinen schönen Wangen den frischen Purpur saugen. Alsdenn wirst du erschrecken, wenn ich dich werde küssen und als ein Vampir küssen: wenn du dann recht erzitterst und matt in meine Arme, gleich einer Todten sinkest alsdenn will ich dich fragen, sind meine Lehren besser, als deiner guten Mutter?“
Normalerweise, so scheint es, sei die Phantastik dazu da, der Realität zu entfliehen. Beim Begriff Fantasy denkt man für gewöhnlich an Riesen, Zwerge, Drachen, Einhörner oder Zauberei, mehr noch, Fantasy erschafft für jene Wesen völlig neue Welten, weit entfernt von stinkigen Autoabgasen, verkalkten Duschbadgarnituren oder ohrenbetäubenden Presslufthammergeräuschen, jenem klischeebehaftetem Symbol einer Großstadt. Der Begriff Urban Fantasy, das klingt wie ein Widerspruch. Aber nur auf dem ersten Horcher. Fantasy ist nicht nur eine Flucht in fremde Welten. Fantasy ist vor allen Dingen Sehnsucht und Suche. Manche Phantasten verlassen auf dieser Suche die uns bekannte Welt, andere suchen in Ritzen und Spalten des grauen Alltags, in Symbolen hinter zugekleisterten Plakatwänden, in kryptischen Graffitis an Bahnhoftrassen oder in einem kleinen, unscheinbaren Buchantiquariat inmitten einer hochfrequentierten Einkaufsmeile.