In Los Angeles ist soeben die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, zu Ende gegangen, die größte Spielmesse der Welt. Seit 1995 zeigen dort Spielehersteller und Publisher die neusten Trends der Gamesindustrie, vor allem aber neue Spiele. Videospiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Zeiten, in denen Gamer als mangelernährte, unterentwickelte Nachtschattengewächse wahrgenommen wurden, sind lange vorbei. Videospiele und Konsolen sind heute ein selbstverständlicher Teil des Unterhaltungsangebotes, welche weltweit fast 100 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Noch sind die Umsätze des Filmmarktes insgesamt höher als die der Spielebranche, aber niemand hätte solche Zahlen in den seeligen Tagen des Gameboys oder des Amiga 500 vorausgeahnt. Filme und Games, das scheint ein und dieselbe Erfolgsgeschichte zu sein. Aber Zocker und Cineasten verbinden mit der Kopplung Film und Game meist etwas ganz anderes – die schaurig-schlechte Videospielverfilmung.
Sommer, heiß, Zitroneneis! Das unbeschreibliche Gefühl, am Kunstlederbezug des Bürostuhls festzukleben, Schokokekse von Griesson, die zu einem riesigen Nukleus zusammenschmelzen, warmes Bier zum Frühstück? Was für Zustände, wie soll man so arbeiten? Worüber schreibt man bei so einem Sauwetter? Man könnte ja mal was über Filmstoffe verfassen. Absolut verrückt! Keine Genreanalysen und so, nein, über Storyfragmente, eigene Ideen. Da tauchen links und rechts zwei Wolpertinger auf meiner Schulter auf, die das kritisch hinterfragen – beide! Sollte nicht einer auf meiner Seite sein? Der Linke meint, wenn ich über eigene Stoffideen schreibe, werden die mir sofort alle geklaut und man macht daraus Filme, zehn Stück, alles Genrefilme, die dann irre erfolgreich im deutschen Kino laufen. Der rechte Wolpertinger lacht sich darüber kaputt und meint, diese Sorge sei unbegründet, außerdem liest meinen Blog ja sowieso kaum jemand. Während sich die beiden Wolpertinger prügeln und beißen, kommt mir eine tolle Idee.
Wenn ich in den letzten Tagen über das ausgehende Filmjahr 2013 nachdenke, welche Geschichten mich am meisten beeindruckt haben, dann fällt mir als Erstes gar kein Film ein, sondern ein Konsolenspiel. Das ist nichts ungewöhnliches, PC- und Konsolenspiele können inszenatorisch längst mit gängiger Blockbusterware konkurrieren, wirtschaftlich ohnehin – eine Großproduktion wie GTA 5 hat ein geschätztes Budget von ungefähr 200 Millionen Euro und erzielt in wenigen Tagen weltweit Milliardenumsätze.