Heute, Kinder, wird´s was geben, und zwar ein richtiges Reizthema im Kinematographenzoo, im Flimmergewimmel unseres kleinen Nickelodeons hier, heut gibt´s voll auf die VierbisZwölf, ob ihr wollt oder nicht. Erst kürzlich hab ich es wieder erlebt, hier in meiner schnuckeligen Filmhöhle. Ich sitze mit einem guten Freund bei einem Quarkhörnchen und einem Kasten SchwipSchwap vor dem Fünfundfünfzigzoller und wir wollen einen Film schauen, mein Vorschlag SON OF RAMBOW klingt dem Titel nach verheißungsvoll, doch dann erwähne ich spitzwegerich beiläufig, dass es sich dabei um einen der besten Kinderfilme handle, den ich kenne und der Kasten SchwipSchwap gehört mir plötzlich ganz alleine. Was ist denn da los? Beim heiligen Perforationsloch, warum sollte man an einem Samstagabend einen Kinderfilm kucken, als „Erwachsener“? Also „nur“ einen Kinderfilm? Warum keinen „richtigen“ Film?
Nun sind wir endlich in der schönen Vorweihnachtszeit angekommen, eine Zeit, in der Milch und Honig wirklich fließen, nicht nur in der Phantasie. Bevor wir aber das Film- und Serienjahr 2016 abhaken, betreiben wir noch ein wenig Rundschliff. Im Dezember 2015 fanden zum ersten Mal die Fantasy Filmfest Nights statt, das Programm war mit BONE TOMAHAWK, BASKIN und DIBBUK ganz solide. Bei den Nights 2016 im April dagegen tummelten sich ein paar echte Hochkaräter des Genrefilmjahres (THE WITCH, GREEN ROOM, THE LOBSTER, WHAT WE BECOME, HIGH RISE, MOONWALKERS), während das Jubiläumsfestival im August nicht ganz so pompös ausfiel. Eine weitere Spezialausgabe der Fantasy Filmfest Nights im Dezember aber hätte das Genrejahr perfekt abrunden können. Doch leider gibt es im Dezember gar keine White Nights, die kommen nun erst im Januar nächsten Jahres zurück.
Da standen wir nun, draußen, weil es drinnen zu laut war und zu heiß, zu viele Idioten, die sich an der provisorischen Bar drängelten und Blue Curaçao Longdrinks bestellten und zu viel Beschallung durch Haddaway – „Is it love? Baby don’t hurt me, no more!“ Die meisten saßen ohnehin nur auf Klappstühlen herum, die an die Wände des Saals geschoben waren, den wir nur zu gut kannten, weil er früher Teil unseres Schulhorts gewesen ist. Doch an diesem Wochenende wurde aus der Tagesstätte für Grundschüler eine Disco für uns Ältere. Aber weil es dunkel war und sich eine Spiegelkugel drehte, funktionierte diese Täuschung.
„Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Guten Abend, gut’ Nacht, von Englein bewacht, die zeigen im Traum dir Christkindleins Baum. Schlaf nun selig und süß, schau im Traum ’s Paradies.“ – 1997 schockierte Regisseur Michael Haneke das Feuilleton mit FUNNY GAMES. In der Anfangssequenz des österreichischen Skandalfilms tönte neben Händel und Mozart der Song „Bonehead“ der Avantgarde-Metallband Naked City aus dem Autoradio, schrill, schreiend, verstörend.
Nun ist es fast ein Jahr her, als die erste Kleine Genrefibel über Zeitreisefilme erschienen ist. Weil das quantentechnisch von Bedeutung sein könnte, stellen wir eine Vergangenheit-Gegenwart-Achse her und schauen mal, was aus zwei der, damals zukünftigen, heute gegenwärtigen Zeitreisefilmchen geworden ist. Wenn die Analysen auch nicht von allumspannenden Raum-Zeit-Kontinuitätserkenntnissen geprägt sein werden, soviel kann ich schon mal orakeltechnisch vorgreifen, so bescheren sie vielleicht dem ein oder anderem Zeitreisefan einen launigen Filmabend.