Posts Tagged: Heldenreise

Die kleine Genrefibel Teil 48: Odýsseia

Weh mir! Zu welchem Volke bin ich nun wieder gekommen? Sind’s unmenschliche Räuber und sittenlose Barbaren; oder Diener der Götter, und Freunde des heiligen Gastrechts? Eben umtönte mich ein Weibergekreisch, wie der Nymphen, welche die steilen Häupter der Felsengebirge bewohnen, und die Quellen der Flüsse und grasbewachsenen Täler! Bin ich hier etwa nahe bei redenden Menschenkindern? Auf! Ich selber will hin, und zusehn, was es bedeute! Also sprach er, und kroch aus dem Dickicht, der edle Odysseus, brach mit der starken Faust sich aus dem dichten Gebüsche einen laubigen Zweig, des Mannes Blöße zu decken;

Let strength be granted…

Das Licht der Flamme malt Schatten an das nasse Relief. Hinter dem Tor verklingen die Laute der Krähen in dumpfen Hall, der Wind, der sich in den Zinnen verfängt, pfeift wie winselndes Gewürm unter der Klinge der Erhabenen. Ich friere nicht, die Flamme spendet Wärme, jedoch keinen Trost. Einsamkeit lässt mich frösteln, meine Haut ist zerklüftet, einer Landkarte gleich, die den Weg in die Verdammnis beschreibt. Die Mauern sind durchdrungen von Wurzelgeflecht, sie binden das Bauwerk an ihren Lebenszyklus, organische Materie, die über Leben, Tod und Verfall bestimmt, ähnlich meiner Haut. Sie zu sehen konfrontiert mich mit meiner eigenen Vergänglichkeit. Viel habe ich auf dem Weg hierher verloren. Ich bin nun mehr eine Hülle, eine Puppe in ehernem Kleid, graviertes Eisen, lederne Schellen, zerrissene Gamaschen. Doch mein Körper selbst ist eine viel beständigere Hülle geworden.

Die kleine Genrefibel Teil 15: Märchenfilme

Ach ja, Märchenfilme, das ist ein schönes Thema für Weihnachten. Da hab ich aber kürzlich gehört, dass das nervigste an Weihnachten, neben Weihnachten an sich, nicht „Last Christmas“ von Wham wäre, sondern der Film DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL. Entweder direkt nervig, weil einem dieses Klingeling-Lied aus den Ohren heraussuppt oder indirekt nervig, weil alle bei der bloßen Nennung des Titels DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL total hysterisch ausflippen, wie schön das is und dass man das Weihnachten immer kucken muss, weil man das jedes Weihnachten gekuckt hat. Das ist wie jedes Silvester dieses dämliche DINNER FOR ONE zu schauen und immer wieder lachen zu müssen, wenn der Butler über den Eisbären stolpert. Oder war´s ein Tiger? Woher diese plötzliche Aggressivität? Es soll doch besinnlich zu gehen heuer. Am Besten wir fangen nochmal an.