Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, schön mit Kartoffelbrei und Röstzwiebeln, legte eine Schallplatte auf (Invisible Touch von Genesis) und sprach: „Es werde Licht.“ Und es ward Licht. Dann dividede er the light from the darkness, denn Gott war Amerikaner aus dem noch zukünftigen Milwaukee. Er formte Landmassen und Täler, füllte sie mit Wasser und nannte es Meer, schnell noch die anderen Gestirne ans Himmelszelt gepappt mit Doppelklebeband, fertig. Aus einer überdimensionalen Playmobilkiste griff er sich Pflanzen und Getier und verstreute sie über das Erdenrund, Seegurken, Schleierkraut, Fichtenmarder, das ganze Geschnetz, dass es nur so fleuchte und zu guter Letzt schuf er den Mensch nach seinem Bilde als Mann und Frau, segnete sie und schickte sie am Ende des Schachtelsatzes in den Garten Eden spielen. Das Werk ward vollbracht. Nun wollte er ruhen, aber es gab noch kein Netflix, Gott sagte „Scheiße!“, trat die Playmobilkiste um, setzte sich auf sein rotes Moped und fuhr nach Südtirol Marillen pflücken.
Willkommen zurück zur Kleinen Genrefibel, liebe Filmfreunde und Filmfreundinnen. Was haben wir nicht schon alles beackert im Zuge unserer Feldforschung, von großen Themenkomplexen bis hin zu winzigsten Subgenres, in filmischem Realismus oder purer Fiktion? Nur eins blieb stets gleich, die Flucht, die Illusion, die das Medium eigentlich verbergen sollte. Ein Film ist immer dann am besten, wenn er nicht verrät, was er ist, wenn er die Illusion eines Blickes in Träume und Sehnsüchte bewahrt. Doch damit ist jetzt Schluss. Denn neben allen möglichen Motiven hat auch der Film selbst den Film geprägt. Unser Thema heute heißt Film im Film, doch dahinter verbirgt sich mehr als nur eine metaphysische Matrjoschka, die Fiktion in der Fiktion oder Selbstbeweihräucherung.
Wer hätte gedacht, dass im biedergraukarierten und angeblich politikverdrossenen Deutschland mal noch derart Schwung in den Sandkasten der Demokratie kommt, dass die Förmchen und Schäufelchen der Politakteure durch die Luft wirbeln, dass es nur so stoibert? Ich jedenfalls nicht. Am Vorabend der Artikelniederschrift jedenfalls kam es auch in unserem beschaulichen Lande zu einem regelrechten Politthriller. Zufall? Naja zumindest ein bisschen. Mittlerweile hat sich der Sturm im Maßkrug wieder gelegt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder krach. International kracht es ohnehin seit ein paar Jahren. Politik als Winkelmaß der Geschichte, aber wann wird aus Politik Geschichte, aus Geschichte Politik und aus vergangenen oder zukünftigen politischen Gegenwärtlichkeiten Geschichten und Filme? Und was ist der Unterschied zwischen Politik im Film und einem politischen Film?
Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahren feierten einige Regisseure ihre größten Erfolge, Tim Burton, die Coen-Brothers, Robert Zemeckis oder Quentin Tarantino, alles Namen, die auch heute noch erfolgreich im Schaugeschäft tätig sind. Ein Name allerdings gehört nicht dazu, obwohl auch er ein ganz großer seiner Zunft hätte werden können – Michael Lehmann. Noch nie von Michael Lehmann gehört? Tja, wie das so ist in Hollywood, es braucht nur einen veritablen Flop und schon darf man nur noch ganz kleine Brötchen backen. Michael Lehmann gewann bereits mit seinem Spielfilmdebüt HEATHERS 1990 den Independent Spirit Award. Ein Jahr später drehte er mit MEET THE APPLEGATES eine ebenso bissige Satire, in der sich eine unbekannte Käferart als brave US-Familie tarnt, um ein Atomkraftwerk in die Luft zu sprengen.