Posts Tagged: Stoffentwicklung

Eins, Zwei, Die!

In der letzten Script Development Folge über Filmtitel ging es unter anderem um Titelzusätze wie beispielsweise ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT. Während dem deutschen Kinozuschauer mit dem Untertitel suggeriert wurde, dass es sich bei jenem Alien um keinen freundlichen Artgenossen handelt, kam der Originaltitel ohne diese zusätzliche Erklärung aus und hieß schlicht ALIEN. Trotzdem ist für jeden Genrekenner die Phrase „Im Weltall hört dich niemand schreien“ oder „In space no one can hear you scream“ untrennbar mit Ridley Scotts Sci-Fi-Horror-Meisterwerk verbunden. Solche Phrasen oder Sätze, die losgelöst vom Titel auf Plakaten prangen oder aus Trailern schallen, nennt der Marketingexperte eine Tagline, und sie spielen nicht nur in der Filmvermarktung eine Rolle („Think different.“, „Just do it.“). Filmtaglines aber können fantastische, bizarre Gebilde sein, banale Schenkelklopfer oder tiefgründige Philosophie, zweckdienlich oder dadaistisch. In über hundert Jahren Filmgeschichte hat sich da manch verschwurbeltes Kleinod gebildet, wo also anfangen?

Was nützt dem toten Hund ein Beefsteak?

Ja nun, was nützt es ihm denn, dem toten Hund? Und was ist das eigentlich für ein dämlicher Titel? Was kann man sich darunter vorstellen, was kann Google sich darunter vorstellen, wenn es diesen Beitrag irgendwo einordnen soll? Ein Freund meinte zu mir, mach deine Überschriften bloß nicht zu abstrakt, das ist werbetechnisch kontraproduktiv. Andererseits gibt es bestimmt Leute, die ob des Titels vielleicht Appetit bekommen, wegen dem Beefsteak? Die Meisten werden wie immer erstmal verdutzt dreinblicken.

Motherfucking Stoffentwicklung

Gibt man bei diesem Google die Suchbegriffe TIPPS und DREHBUCH ein, rotiert der Scrollbalken. Sucht man nach TIPPS für gute STOFFENTWICKLUNG, ist der erste Suchtreffer noch immer dict.cc – das Deutsch – Englisch – Wörterbuch mit Ähnlichen Begriffen von Stoffbezug über Stoffdichteregler bis Stofffreisetzung. Logisch, für Fachfremde ist der Begriff Stoffentwicklung immer noch zwischen Textilien und Marihuanaanbau verortet. Natürlich finden sich unter den Suchergebnissen auch Schlagwörter wie Idee, Markt oder Medienkompetenz. Konkrete Tipps kann man sich da aber abschminken, klare Aussagen „Ein Drehbuch schreiben – Anleitung, Tipps & Tricks“? Fehlanzeige.

Niemandsland

Verschiedenen Aspekten von Dramaturgie und Storytelling werden unterschiedliche Bedeutungen zugemessen. Das hängt manchmal mit der Struktur der Geschichte zusammen, ob sie „Charakter Driven“ oder „Plot Driven“ ist, also ob die Figuren die Handlung bestimmen oder von der Story „getrieben“ werden. Doch ein Drehbuch hat mehrere Ebenen, Tortenstücke von unterschiedlicher Dicke: Plot, Story, Figuren. Sind das alle Ebenen, die ein Spielfilmdrehbuch beinhaltet? Natürlich nicht.

Zucker im Arsch

Die folgende Kolumne ist ein noch persönlicheres Anliegen als sonst.

Was müssen wir alles ertragen, wir Dramaturgen und Stoffentwickler. Nicht in Drehbuch-besprechungen, in Seminaren oder Pitchingveranstaltungen, sondern im ganz normalen Alltag. Es sind die ewig gleichen Diskussionen unter Bekannten und Freunden, unter Filmliebhabern, dürfte man meinen. Pustekuchen! Ich kann nicht mehr! Meine Kraft neigt sich dem Ende. Ich antworte schon gar nicht mehr. Muss ich auch nicht, ich hacke meinen Groll einfach hier rein. Platz is genug!