Ein gesundes, gesegnetes und gesottenes neues Jahr, liebe Leser. Heute ist doch der 1. Januar, oder? Bevor wir uns verquatschen, fangen wir mal ohne große Vorrede an, ich muss noch Stromzähler ablesen. Wir befinden uns in einer neuen Dekade, alles ist anders, aber damit man es nicht so merkt, beginnt 2020 wie die Jahre zuvor mit den Fantasy Filmfest White Nights, inzwischen bereits zum fünften Male. Wie immer haben die White Nights zehn Genreschmankerl im Gepäck, damit kann man sich schon mal ordentlich auf das neue Jahr eingrooven, was immer das auch heißen mag. Werfen wir wie immer einen scheuen Blick auf die Highlights des Programms, welche an den nächsten Wochenenden in sieben deutschen Städten über diverse Leinwände flimmern.
Yalla, liebe Ehrenmenschen & Swaggernauten, Willkommen zurück aus den Weihnachtsferien. Na, alles schlurky? Ich hoffe mal, Ihr hattet ein paar endlaser Feiertage und wurdet nicht zu sehr geRickRolled oder gar geWhamt, beim Cornern oder Fensterln draußen im Outer Rim, habt keinen Screenitus bekommen beim bingewatchen oder seid anderweitig verdummfallt, das wär voll wack. Nach dieser hoffentlich erfolgreichen Zielgruppenvergrößerung nun weiter im Fließtext. Wie Ihr sicherlich gemerkt habt, neigt sich das Jahr 2019 mit geradezu pornöser Schiefwinkligkeit seinem Ende entgegen. Ich hatte sowas bereits im Januar vorausgeahnt. Das alte Jahrzehnt scheidet, eine neue Dekade beginnt, was also kann es Schöneres geben, als nochmal zünftig vom Leder zu ziehen und all die High- und Lowlights des Film- und Serienjahres 2019 Revue passieren zu lassen?
Anfang der 90er Jahre, als nach dem Ende des kalten Krieges die weltlichen Schranken West und Ost fielen und die Globalisierung ihren Lauf nahm, galt er noch als Geheimtipp für hauptsächlich durch US-amerikanische Filme geprägte Cineasten mittleren Baujahrs – dabei hatte der asiatische Film bereits eine ebenso bewegte Kulturgeschichte hinter sich und vor allem noch vor sich. Obwohl sich kein Filmmarkt weltweit so schnell und kreativ weiterentwickelt hat wie das ostasiatische Kino, für manche blieb es auf ewig ein Pergament mit sieben verschnörkelten Schriftzeichen. Krude japanische Animes, Martial Arts Action aus Hong Kong, Bollywood, die Ballerepen eines John Woo oder der gute alte Godzilla, der Diskurs über das asiatische Kino schien damals, abseits dieser Schlagworte, nur unter echten Filmfreaks und Nerds stattzufinden. Heute, knapp 30 Jahre später, ist die Sicht eine völlig andere, denn die internationale Filmlandschaft und neue kreative Impulse werden maßgeblich vom asiatischen Kino bestimmt.
Gestern endete in Berlin das 33. Fantasy Filmfest nach elf Tagen Genrestreufeuer aus allen Kanonen und Kanönchen. 50 Genrefilme wollten gesehen werden, für mich hat es gerademal für ein Fünftel gereicht, aber so gut wie alle meine Highlights waren dabei und wir wollen wie immer fröhlich einen kleinen Reviewreigen der schauderlichen Art veranstalten und schauen, welche schröcklichen Festivalhighlights frischen Wind in den aktuellen Genrefilm bringen und welche eher enttäuscht haben. Der diesjährige Jahrgang hatte es nicht leicht, denn das 32. Fantasy Filmfest im Jahr 2018 hatte die blutige Messlatte recht hoch gehängt. Doch schauen wir mal auf die Leckerli von 2019, deshalb Vorhang auf für ein frisches Fantasy Filmfest Quick`n`Dirty.
Wir befinden uns derweil über dem Zenit der Jahresmitte, die Sonne plustert sich gerade wieder auf, um dem Sommer Zunder zu geben. Rekordsommer. Früher, da gab es mal den Kinosommer, aber diese Zeiten scheinen vorbei. Nichts desto Trotz kann man sie noch im Lichtspielhaus finden, die alten Helden des 90er Jahre Sommerkinos wie Spider-Man, die X-MEN oder die MIB. Auch DER KÖNIG DER LÖWEN kommt nochmal vorbeigeschnurrt. Aber als Filmfan von heute weiß man, dass den Neuauflagen nicht zu trauen ist. Denn früher war alles besser, so sagt es nicht nur der Filmvolksmund. Dieses Gefühl, welches man in den 80ern und 90ern hatte, als die großen Kultfilme anliefen, es lässt sich nur schwer reproduzieren. Bittere Enttäuschung an allen Fronten, echt Horrorshow.
Die kleine Genrefibel feiert mit ihrer 75. Ausgabe ein besonderes Jubiläum. So wollte ich ihr und allen Genrefans da draußen auch ein ganz besonderes Jubiläumsgeschenk machen. Da das Thema für Folge 75 schon länger fest stand, erwirkte ich allein mit dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin die Entschlagnahmung des seit 1983 indizierten und seit 1991 eingezogenen Klassikers DAWN OF THE DEAD von George A. Romero, auch bekannt als ZOMBIE. Die Zombies im Kaufhaus stehen also bald wieder im Kaufhaus. Und da sind wir auch schon mittendrin im Gedärmgewühl. Der Zombie, kaum eine andere Horrorgestalt erfreut sich nach Jahrzehnten solch großer Beliebtheit wie der schlurfende oder rennende Untotenmoderhaufen. Höchste Zeit also, ihn gehörig hochheben zu lassen.
Es gibt viele unschöne Dinge mit G am Anfang, Genickbruch, Gentrifizierung, Genmanipuliertes oder Generationskonflikte, ein paar ganz nette Sachen wie Genussmittel oder Genesungswünsche, aber nur ganz wenige Angelegenheiten, die wirklich aufregend sind. Bis vor ein paar Jahren wäre mir da nur Genitalbereich eingefallen, doch diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Denn seit es jenes „tiny little german genre festival“ in Berlin gibt, hat faszinierende, phantastische, fesselnde, wilde, subversive, mutige und vor allem leidenschaftliche Genrefilmkultur aus deutschen Landen wieder ein Synonym – die GENRENALE.
10 Filme – 2 Tage – 7 Städte – April 2019 – zusammen macht das 2038 Quadratmikromori Genreunterhaltung, was immer das auch heißen mag. Es ist wieder Zeit für die Fantasy Filmfest Nights, bereits die zweite Ausgabe 2019 nach den gelungenen White Nights im Januar mit Highlights wie THE FAVOURITE, DESTROYER und LORDS OF CHAOS. Welch schmackhaft Carte Blood hat Rosebud Entertaintment in diesem Jahr zusammengestellt? Zwei berühmt-berüchtigte Serienkiller kehren auf die Leinwand zurück, diverse Horrorlegenden und Leichenflüsterer geben sich ein Stelldichein, Sci-Fi-Splatter & Old School Slasher sind an Bord, dazu gibt’s ominös Animiertes, krachiges Asiakino und exploitative Ergüsse aus der S. Craig Zahler Werkschau. Hereinspaziert!
Und wieder ist ein Jahr zu Ende, mittlerweile zum zweitausendundachtzehnten Mal in Folge seit Aufzeichnung beziehungsweise der Geburt Jesus Christus. Ich kann mich noch gut an ihn erinnern, Jesus und ich saßen damals schon in der galiläischen Mittagssonne auf Steinquadern, lauschten dem sanften Blöken der Heidschnucken und rekapitulierten die besten Filme und Serien des Jahres. Damals war das Programm noch überschaubarer. Die Leute allerdings waren der heutigen Generation nicht unähnlich, sie waren wie aufgescheuchte Hühner und Hähner und zerrissen sich ihre Mäuler über das internationale Makakentum, dass einem die Ohren nur so wegflogen. Schon damals mochte ich Heidschnucken lieber.