Posts in Category: Genre Aktuell

Die digitale Seele

Wenn ich in den letzten Tagen über das ausgehende Filmjahr 2013 nachdenke, welche Geschichten mich am meisten beeindruckt haben, dann fällt mir als Erstes gar kein Film ein, sondern ein Konsolenspiel. Das ist nichts ungewöhnliches, PC- und Konsolenspiele können inszenatorisch längst mit gängiger Blockbusterware konkurrieren, wirtschaftlich ohnehin – eine Großproduktion wie GTA 5 hat ein geschätztes Budget von ungefähr 200 Millionen Euro und erzielt in wenigen Tagen weltweit Milliardenumsätze.

Ein ZOMBIE lag im Briefkastenschlitz

Der Markt für reine Genremagazine ist in Deutschland ja nicht sehr groß. Früher habe ich die CINEMA gelesen, bis ich der Schreibe und dem ganzen Kommerzgeschwurbel überdrüssig wurde. Die CINEMA, so sehr sie mich begleitet hat, finde ich heute unlesbar. Aber gut, ein Genremagazin war das Heft ja nie, also las ich parallel immer den MOVIESTAR, der zwar layouttechnisch wie vom Stil her eher wie ein altes Vierkantbrot rüberkam, aber immerhin stärkeren Genrebezug hatte.

GENRENALE 2014

Während die BERLINALE in diesem Jahr zum 63. Mal stattfand, das FANTASY FILMFEST, eines der weltweit wichtigsten Genrefilm-Festivals überhaupt, bereits zum 27. Mal, schickt sich eine neue Plattform im Jahr 2014 an, frischen Wind in die hiesige Festivallandschaft zu bringen – die GENRENALE. Obwohl BERLINALE und FANTASY FILMFEST zwei Veranstaltungen sind, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, die Schnittmengen aus Genrefilm und Deutschland sind auf beiden Seiten gleichermaßen deprimierend. Während die BERLINALE nun nicht gerade als Genrefilm-Festival bekannt ist, bietet das FANTASY FILMFEST zwar superbe internationale Genrefilm-Produktionen, ein deutscher Beitrag gleicht aber weiterhin einer verlorene Injektionsnadel im Genrefilmheuhaufen. Deutschland und Genrefilm, das sind noch immer zwei schwer vorstellbare Angelegenheit.

Die Halloween Horrorfilmnacht

„Leichen pflastern unseren Weg, Schrecken ist hier Privileg. Ob in Wien oder in Berlin, nichts ist schöner als Halloween!“ trillern, tröten und krakeelen die Bewohner aus Halloweentown in TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS, als sie dem kitschverkleistersten Konkurrenzfeiertag Weihnachten den Kampf ansagen. Richtig so! Weihnachten nervt! Halloween hingegen ist mir grundsätzlich sympathisch, ein lustiger Tag fürwahr, an dem kleine Kinder mit Messern und Äxten im Schädel minütlich HARTZ 4 Empfänger aus ihren Sesseln klingeln, bis diese Amok laufen, Nötigung oder Erpressung nicht gefahndet und geahndet wird („Wir sind kleine Geister, essen gerne Kleister, wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hier kleben!“) und am Ende dann noch´n Kürbis aus der Hosentasche geholt und mittels Kartoffelschäler eine Fratze des Schreckens schnitzen. Hab ich mal gemacht, Riesensauerei!

October Overkill

Der Oktober ist für Genrefans ein goldener Monat, vor allem Gruselfreunde kommen auf ihre Kosten. Es beginnt mit dem Ende der großen Zombieschau auf dem Münchner Oktoberfest und gipfelt am 31.10. in Halloween, dem Nationalfeiertag für Bloodsucker und Schlitzstrolche. Dabei hat in Deutschland das Halloweenfest erst eine jüngere Tradition, den ursprünglich keltischen Brauch brachten irische Einwanderer zuerst in die USA, bis er sich viel, viel später auch in Europa verbreitete. Auf die Faszination von Morbidem und Schaurigem reagierte auch alsbald die Filmwirtschaft, denn welcher Monat eignet sich besser, einen Horrorfilm zu veröffentlichen als zwischen Erntedank und All Hallows Eve? Weil der diesjährige Genremonat eine Menge zu bieten hat, werfen wir kurz ein blutiges Auge auf die Schmankerl, die dem Genrefreund im Oktober feilgeboten werden.

Fantasy Filmfest 2013 Quick’n’Dirty

Und da war´s auch schon wieder vorbei – das FANTASY FILMFEST 2013. Zumindest für Berlin und Hamburg. Und wie in fast jedem Jahr ist die eigene Programmvorausplanung selbstredend für die Katz gewesen, denn ich war die ersten Festivaltage gar nicht in der Stadt. Ups! So war es mir leider nicht vergönnt, den Eröffnungsfilm THE CONGRESS von Ari Folman zu schauen. Glücklicherweise startet der Animations-Realfilm-Mix nach Stanislav Lem am 12. September regulär in den Kinos. Auch HAUNTER von Vincento Natali hab ich verpasst. Aber auch in der zweiten Festivalhälfte gab es ja ein paar Perlen zu entdecken. Werfen wir im Kurzcheck einen Blick auf sechs Filmchen des diesjährigen Programms.

27. Fantasy Filmfest

Wie in jedem Filmjahr gehört der August ganz dem internationalen Genrefilmfestival FANTASY FILMFEST, welches Rosebud Entertainment seit 1987 nunmehr zum 27. Mal präsentiert. Ich selber bin noch gar nicht so lang dabei als Besucher des Festivals, war 2009 das erste Mal auf den FANTASY FILMFEST NIGHTS, beim Hauptfestival hingegen erst 2010. Was blieb hängen in diesen Genrejahren? Mit Sicherheit FOUR LIONS, THE COLLECTOR, KILL LIST & RABIES, CHILLERAMA und JOHN DIES AT THE END. Und natürlich SPLICE und STOKER, aber nur deshalb, weil ich wegen überfülltem Kinosaal keine Karte mehr bekam. Doch es ist nicht nur das Festival selbst, es ist auch das ganze Drumherum. Genrefilme schauen macht nach einem platten Blockbustersommer endlich wieder Spaß. Auch in den Videotheken tauchen wieder vermehrt Horror-, Sci-Fi-, und Thrillerware auf, wenn meist auch alte Kamellen des FANTASY FILMFEST Vorjahres.

Dreimal Fauler Budenzauber?

Da standen sie also in Zweierreihe, einmal um den ganzen Block herum, im Hochsommer. Nicht an einem Eiscremestand, vor einem Kino. Im Juni 1975 sorgte der Film JAWS von Steven Spielberg dafür, dass die Strände der amerikanischen Westküste leer blieben. Der Begriff Blockbuster entstand, genauer gesagt, der Sommerblockbuster. Kino im Sommer, das klingt nach schlechtem Geschäft. Doch Sommer, Sonne, Sonnenschein sind auf Dauer öde und langweilig, nach dem x-ten Angrillen im Park, Planschen im Baggersee oder Herumgammeln auf Badetüchern zieht es die Menschen im Sommer auch wieder in die Kinos. Die großen Actionblockbuster, die Hollywoodkracher, wie die Leute immer sagen, werden von Produzentenseite nach wie vor in den Monaten Mai bis August veröffentlicht. Es gibt eine regel-rechte Hatz auf gute Platzierungen im Kinosommer, meist zwei oder drei Jahre im Voraus werden Startplätze im Hochsommer beschlagnahmt. Doch verglichen mit Actionkrachern der Achtziger Jahre sind Großproduktionen ab 100 Millionen Dollar Produktionskosten keine Einzelerscheinungen mehr. Gibt es ihn also noch, den Sommerblockbuster?

SEELEN

Nicht nur aus Tradition wegen freut es mich, den neuen Film von Drehbuchautor und Regisseur Andrew Niccol zu besprechen. Die bisherigen Kritiken sind allesamt vernichtend. Und auch ich war durchaus zwiegespaltener Vorfreude. Auf der Habenseite stand, neben Niccol, vor allem Saoirse Ronan, die ich für ein fantastisches Talent halte. Der Stoff eine klassische Niccol-Dystopie, ein cleaner Science-Fictioner mit glattem, monochromem Look. Andererseits verfilmte Andrew Niccol mit THE HOST erstmals keinen eigenen Stoff, noch dazu ein Buch von Stephenie Meyer. Kann einer meiner Lieblingsautoren verhindern, dass SEELEN eine Art Science-Fiction TWILIGHT-Schnulzenkino wird?

…sah ich noch einmal die Lichter der Stadt

Der kalte, nasse Nieselscheiß, dieser frostige Dreck voller Kieselsteine, Reste von Chinaböllern und Kot, Kot, Kot, wohin das Auge blicket. Ja, es ist ekelhaft da Draußen, dieser beknackte Winter, und die paar Sonnenstrahlen machen´s auch nicht wirklich besser…wie dämlich, jetzt schreibe ich hier schon über Wetterbefindlichkeiten, das sollte ich besser Sibylle Berg überlassen. Aber das hat ja bald ein Ende. Denn es gibt eine Pforte, einen Zeitspalt, eine semipermeable Membran, wenn man diese durchschreitet, wird alles besser. Diese Tage des Wandels finden in diesem Jahr vom 16. bis 21. April statt. Für mich ist jedes Jahr das FILMFEST DRESDEN die magische Schwelle hinein in den Frühling.