In der kleinen Genrefibel wird das Klein heute groß geschrieben. Ein Satz voller Mysterien. Oder sollte es besser heißen kurz? Wäre treffender, aber ich bezweifle es, kurz waren die bisherigen 68 Folgen der Genrefibel ja selten. Dennoch geht es heute um die Kürze, denn wir beschnuppern eine Gattung Film, die zwar jedem bekannt sein dürfte, zu der aber die meisten keine so emotionale Verbindung herstellen können wie zum abendfüllenden Spielfilm. Die Rede ist selbstverständlich vom nicht-abendfüllenden Film oder kurz Kurzfilm. Jeder Filmfreund da draußen weiß, Filme gibt es in verschiedenen Längen. Und dann gibt es noch den Kurzfilm. Manche bekritteln, der Kurzfilm sei ihnen zu kurz. Und man muss schon einen Pfiffikus an Filmfan finden, der die Frage beantworten kann: „Nenn mir mal einen tollen Kurzfilm!“
Ich war, bin und werde es immer sein – ein bekennender Horrorfan. Aber was heißt das? Wenn man sagt, man liebt Horror, meint man für gewöhnlich Horrorfilme, wo es wohlig schaudert oder derbe splattatert. Aber die Faszination an Horror geht weit über bloßen Filmkonsum hinaus. Als Kind lauschte man Gruselgeschichten am Lagerfeuer, das war mitnichten ein Filmklischee. Nachtwanderungen im Ferienlager waren der letzte Schrei, in dunklen Wäldern, wo das Unterholz knackte. Nie werde ich die Schallplatte „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ vergessen. In staubigen Bodenkammern fand ich alte Bücher, las „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ von Edgar Allan Poe. Doch die entscheidende Begegnung mit Horror machte ich im Frühjahr 1990, als andere Kinder mit Lego spielten und tonnenweise Hanuta verdrückten. Die Wende brachte nicht nur Süßkram und Spielzeug in die Läden, sondern auch obskure Drehständer mit bunten, aber auch düsteren Heftchen.
Erstmals fand auf der GENRENALE 3 eine öffentliche Pitchingveranstaltung statt. Neun Autoren stellten in vier Minuten ihre Genreprojekte vor, vom schwäbischen Supercop über ein vollautomatisches Altersheim der Zukunft, die Begegnung eines kleinen Jungen mit dem Tod, mysteriöse Gedankenübertragung, High-Tech-Träumereien und Found Footage, insgesamt ein breiter und interessanter Genre-Stoffpool, und auch ich hatte die Möglichkeit, mein Projekt PANOPTIKUM vorzustellen, eine etwas andere Horror-Anthologie. Abschließend zum GENRENALE-Special möchte ich das Konzept auch hier nochmal schriftlich pitchen.
Nun ist bald Weihnachten, also auch wieder Zeit für eine kleine Weihnachtsfibel. Im letzten Jahr waren es Märchenverfilmungen aus aller Welt und was passt besser zu Weihnachten, als Geschichten zu erzählen. Am Heiligen Abend ist es diese eine Geschichte um den Sohn des Zimmermanns aus der duften Kurzgeschichtensammlung namens Bibel. Doch darum soll es heute nicht gehen. Wir beschäftigen uns in der Weihnachtsausgabe der kleinen Genrefibel Numero 30 mit Anthologien im Bereich Horrorfilm. Wir wollen es mit ausufernden Betrachtungen nicht übertreiben, aber eine Horroranthologie, ein Episoden- oder Omnibusfilm, wie man so schön sagt, ist sowohl geschichtlich als auch dramaturgisch ein wirklich interessantes Gebiet der Genrefeldforschung.
Und da war´s auch schon wieder vorbei – das FANTASY FILMFEST 2013. Zumindest für Berlin und Hamburg. Und wie in fast jedem Jahr ist die eigene Programmvorausplanung selbstredend für die Katz gewesen, denn ich war die ersten Festivaltage gar nicht in der Stadt. Ups! So war es mir leider nicht vergönnt, den Eröffnungsfilm THE CONGRESS von Ari Folman zu schauen. Glücklicherweise startet der Animations-Realfilm-Mix nach Stanislav Lem am 12. September regulär in den Kinos. Auch HAUNTER von Vincento Natali hab ich verpasst. Aber auch in der zweiten Festivalhälfte gab es ja ein paar Perlen zu entdecken. Werfen wir im Kurzcheck einen Blick auf sechs Filmchen des diesjährigen Programms.