Zwölf Tage FANTASY FILMFEST in Berlin sind zu Ende. Was für ein Festival in diesem Jahr! Draußen apokalyptische Temperaturen, im gut klimatisierten Saal 8 des CINE STARS in SONY-Center jede Menge coole Genresachen. In diesem Jahr gab es in der Tat ein paar echte Juwelen, sowohl im Vorfeld, als auch als Überraschungen, die man so nicht auf dem Schirm hatte. Wie immer schauen wir uns die Highlights aus meiner Sicht in Kurzreviews an, diesmal sind es sogar elf Filmchen, auf die sich nicht nur die Besucher der restlichen Spielstädte freuen dürfen. Los geht’s!
Das Mesozoikum, was war das für eine irre Zeit. Die ganze Welt hatte sich zusammengerafft zu einem riesigen Klumpen Landmasse namens Pangäa. Die beiden größten Extremsportdisziplinen jener Zeit waren Kontinentaldriften und Massenaussterben. Jede Art, die etwas auf sich hielt, ließ sich erstmal von widrigen Umständen dahinraffen und machte so Platz für andere Spezies. Denn Platz gab´s genug. Dort, wo im Erdaltertum Riesenlibellen und Urlurche das Sagen hatten, besetzten nun diverse Kriechtiere und Reptilien die Plätze und ließen es sich gut gehen.
Da war ich ein wenig verdutzt, als das FANTASY FILMFEST Programm für Berlin plötzlich online stand. Jetzt schon? Aber da fiel mir auf, das 29. Internationale Genrefilmfestival geht ja bereits am 05. August los. Na dann mal schnell durch das Programm wühlen, Highlights wie Lowlights herausputteln und Infos erhaschen. Was erwartet den Genrefan in diesem Jahr?
In der kleinen Genrefibel sind Science-Fiction Themen immer etwas besonderes. In kaum einer anderen Filmgattung der Phantastik werden so viele Fragen gestellt, nach dem Stand der Wissenschaft und des Fortschritts, der Zukunft unserer Spezies, gesellschaftspolitische Debatten, das Fortbestehen der Zivilisation, Moral, Ethik, Gott, der ganze Kladeradatsch. Im Bereich Science-Fiction ist der Mensch Schöpfer, er adaptiert die Natur, widersetzt sich Naturgesetzen, versucht Grenzen zu überwinden. Nicht nur physische Grenzen wie die unendlichen Weiten des Universums oder die winzigsten Bestandteile in einem Atom. Auch die Überwindung der eigenen Vorstellungskraft, welche der Motor ist für Forschung und Fiktion.
Im Februar GENRENALE, im März FANTASY FILMFEST NIGHTS, mittlerweile pendelt sich in Deutschland Genrenormalität ein. Naja, übertreiben wir mal nicht. Aber nachdem dieses Jahr genretechnisch besser nicht hätte starten können, gibt es auf den mittlerweile achten NIGHTS eine weitere Überraschung – mit GERMAN ANGST läuft endlich mal ein deutscher Horrorfilm. Das schauen wir uns mal genauer an, doch zuvor, voila, die alljährliche Übersichtstafel.
Mein grippaler Infekt ist Genrefan. Zwei Wochen plagte mich der Hallerwachl mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit, doch dann kam er zur Besinnung und gab mir zwei Tage frei – am Morgen des 11. Februar war meine Erkältung plötzlich spurlos verschwunden. Zwei Tage lang Deutsches Genrekino genießen statt zu beniesen, das war mir vergönnt in den letzten 48 Stunden. Nun sitze ich hier und will das resümieren, für mich, für Euch, für meinen grippalen Infekt, der sich in dieser Zeit auf der FIFTY SHADES OF GREY – Premiere herumgetrieben hat. Was war los an zwei Tagen GENRENALE, die ganz im Zeichen des Deutschen Genrefilms standen?
Wieder einmal schwelgen wir in Kindheitserinnerungen, diesmal jedoch in nicht ganz so düsteren Flimmerwerken wie BRIEFE EINES TOTEN oder MÄRCHEN EINER WANDERUNG. Wir reisen zurück in eine Zeit, in der franko-belgische Comics wie „Tim und Struppi“ oder „Asterix“ Phantasie und Wissbegierde erweckten, das MOSAIK mit den Abrafaxen monatlich heiß erwartet wurde und Filme wie 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER eher eine Bastelanleitung für Abenteuer waren.
Betreiben wir wieder einmal Fan-Fiction, von der es heißt, dass sie sich im nichtkommerziellen Untergrund von Fangemeinden abspielt, schaurig, schaurig. Ich sehe es praktisch vor mir, Horden von dunklen Gestalten in Bademänteln oder Trenchcoats, die in den U-Bahnhöfen herumirren und Fangeschichten in kleine Notizblöcke kritzeln und wenn dann jemand kommt und mal nachfragt, dann raunen sie: „Wir verkaufen nix, das is unkommerziell!“ Vielleicht treffen die sich aber auch Sonntags in einer kleinen Kirche, vielleicht heißt das deshalb Fangemeinde, nicht selten wird ja beispielsweise das STAR WARS-Universum auch als Religion bezeichnet. Da sind wir auch schon beim Thema – STAR WARS.
An einem sonnigen, frühherbstlichen Septembersonntag endete das 28. Fantasy Filmfest in Berlin. Was soll ich sagen, mir hat es Spaß gemacht, zumindest, was meine eigene kleine Zusammenstellung betrifft. Ich habe ein gutes Dutzend Filme gesehen, so dass man nicht wirklich von Festivalüberblick sprechen kann. Ist aber auch egal, ich mag Formulierungen wie „Bester Film des Festivals“ sowieso nicht. Wie im letzten Jahr picken wir uns kurz & dreckig ein paar Rosinen aus dem Filmfestkuchen und prüfen diese radikal und völlig subjektiv auf ihre Genretauglichkeit. Erwartungen gab es ja durchaus. Viel Spaß mit 8 Köstlichkeiten vom FFF 2014.