Und da war´s auch schon wieder vorbei – das FANTASY FILMFEST 2013. Zumindest für Berlin und Hamburg. Und wie in fast jedem Jahr ist die eigene Programmvorausplanung selbstredend für die Katz gewesen, denn ich war die ersten Festivaltage gar nicht in der Stadt. Ups! So war es mir leider nicht vergönnt, den Eröffnungsfilm THE CONGRESS von Ari Folman zu schauen. Glücklicherweise startet der Animations-Realfilm-Mix nach Stanislav Lem am 12. September regulär in den Kinos. Auch HAUNTER von Vincento Natali hab ich verpasst. Aber auch in der zweiten Festivalhälfte gab es ja ein paar Perlen zu entdecken. Werfen wir im Kurzcheck einen Blick auf sechs Filmchen des diesjährigen Programms.
Das Genre Fantasy kann kompliziert sein. Ist STAR WARS Fantasy oder Science-Fiction? Fantasy ist ein schwammiger Begriff. Die meisten verbinden ihn mit Tolkien, Drachen, Rittersleuten, Barbaren oder Fabelwesen. Im Bereich Fantasy trifft man einerseits auf geschichtliche Mythologie wie auf vollkommen neue Welten. Ob das nun ganze Planeten wie Pandora oder Tattoine sind, Mittelerde oder der Hades, erscheint ebenso zweitrangig wie die Lebewesen, die diese Welten bevölkern. Das Erschaffen einer eigenen Welt kann für einen Autor das Größte sein. Doch nicht immer ist das auch das Cleverste für die Geschichte. Fremde, neue Welten eröffnen einem Autor nahezu grenzenlose Freiheiten. Man kann, mal unflätig ausgedrückt, auf Dinge wie Gravitation, Biophysik und manchmal auch Logik scheißen. In neuen Welten ist alles möglich. Doch genau das nimmt einer Geschichte nicht selten Spannungspotential. Denn je differenter die Gesetzmäßigkeiten fremder Welten gegenüber der Unseren sind, umso schwerer kann man Handlungen und Entscheidungen der Figuren darin verstehen und nachvollziehen.
Es gibt Menschen, die lieben Filme, andere lieben Musik, manche beides, kurios. Natürlich gibt es auch solche, die Filmmusik lieben oder im Speziellen Musikfilme oder Musicals. Musik und Film, das passt gut zusammen, als kommerzielle Medien haben beide eine gemeinsame Geschichte, unterteilen sich in Genres und manchmal kreuzen sich ihre Wege auch innerhalb von Zielgruppen und Nischen. Auf der einen Seite hat Musik immer schon auch den Film beeinflusst, von klassischer Filmmusikorchestrierung über Schlager, Rock `n Roll, Rap, Hip-Hop bis hin zu Techno und Rave. Auf der anderen Seite haben sich Musiker manchmal Filmsamples bedient, um einem Song neben Strophe und Refrain eine weitere textliche Ebene zu geben.
„Es kroch der alte Drache aus seinem Felsgemache. Mit grausigem Randal. All‘ Jahr ein Mägdlein wollt‘ er, sonst grollt‘ er und radollt‘ er, fraß alles ratzekahl.“ Wilhelm Busch
Die drei großen Kategorien der Phantastik sind nach wie vor Science-Fiction, Fantasy und Horror. Während beim Science-Fiction Film vorrangig Themenfelder aus Wissenschaft, Technik, Gesellschaft und Ethik Subgenre bilden, sich der Horrorfilm auf dramaturgische Gerüsten wie Bedrohung, Entkommen und Überleben beruft, bezieht der Fanatasyfilm seine Motive aus Geschichte, Mythologie, Sagen oder Heldenepen. Darüber hinaus ist Fantasy schwieriger in Subgenre zu untergliedern als beispielsweise der Horrorfilm. Neben klassischer Fantasy á la Tolkien etablierten sich beispielsweise Steampunk, Ritterfilme, Märchen oder Hybriden aus Sci-Fi (STAR WARS) oder Horror (Cthulhu-Mythos). Natürlich geben auch einzelne Wesen oder Kreaturen, ähnlich Vampiren oder Werwölfen, Fantasysubgenres einen Tummelplatz. Doch noch vor Orks, Ogern oder Einhörnern ist der Drache jenes Wesen, welches die Literatur und den Film am nachhaltigsten geprägt hat.
Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums der Völkerschlacht bei Leipzig traf Autor und Dramaturg Christian Hempel Regisseur Tim Burton zu einem lange vorher ausgehandelten Spontaninterview und beide sprachen über Drehbuchfiguren, Kringel, Helena Bonham Carter und die Verwendung von Blaubeerwackelpudding im Spezialeffekt-Bereich.
Anfang März gehen sie wieder los, die FANTASY FILMFEST NIGHTS, am 23. und 24. März auch in Berlin. 10 Filme an zwei Tagen, 6 davon US-Produktionen, der Rest aus Kanada, Irland & Schottland, GB sowie eine Koproduktion aus Spanien, Frankreich und Portugal. Highlights der Nights sind sicherlich THE COLLECTION, die Fortsetzung von THE COLLECTOR, einem deftigen SAW-Verschnitt, der überaus spannend und blutig daherkam sowie JOHN DIES AT THE END, das neue Werk von Don Coscarelli (Phantasm, Bubba Ho-Tep), eine herrliche Zeitreise-Paralleluniversum-Groteske mit Paul Giamatti in einer Nebenrolle. CITADEL konnte schon bestaunt und für gut befunden werden, ich persönlich freue mich besonders auf STOKER von Chan Wook Park.