In einem altdeutschen Kinderspruch heißt es: „Erst Eins, dann Zwei, dann Drei, dann Vier, dann steht die GENRENALE vor der Tür.“ Also sinngemäß! Bald ist es wieder soweit und die blutverschmierten Pforten in die Untiefen des deutschen Genrefilms öffnen sich erneut, dass es nur so knarrt. KEEP IT UNREAL heißt das Motto der diesjährigen vierten Ausgabe des Festivals, welches exklusiv dem deutschen Genrefilm gewidmet ist. Wie im letzten Jahr gibt es an zwei vollen Tagen wieder Action, Science Fiction, Fantasy, Horror, Mystery und Neo Noir, verpackt in illustre Shorts-Rollen, dazu das MORBIDO Special, Pitching, Podium und Preisverleihung.
Die erste Genrefibel 2016 ist da, wird auch Zeit, das Jahr ist fast rum. Alles fit bei Euch? Wo wir bereits beim Thema wären, wie steht´s eigentlich mit Eurer Fitness? Ich als Dramaturg stehe jeden Morgen um 04:30 Uhr auf, mache rund 150 Liegestütze, renne drei Runden um den Blog und verspeise dann ein Eibrötchen. Dann leg ich mich wieder hin. Körperliche Ertüchtigung ist wichtig für meinen Beruf, ich brauche gut durchtrainierte Schreibfinger und flinke Beine, um jedem Trend hinterher rennen zu können. In der Filmbranche muss man sich durchboxen, man geht man zu Boden, rafft sich wieder auf und schlägt zurück. Knochenbrecherjob.
So, ihr Früchtchen! Nachdem sich vor ein paar Tagen einer meiner Texte selbstständig gemacht hat und nun auf seine Steuernummer wartet, machen wir einfach weiter, als sei nix passiert. 2015 liegt hinter uns, ich spare mir mal gesellschaftliche Häme und mahnende Zeigefinger, ihr seid alt genug. Wir wollen wieder einen Blick in die Zukunft werfen, auf Filme und Serien 2016, wollen der Leidenschaft frönen, dass es nur so splattatert. Jahresrückblicke sind ja so eine Sache, sie sind bauernschlau, rechthaberisch und sentimental. Bei einer Vorschau ist das anders, man bemüht das Konjunktiv und streitet Verantwortungen ab. Für mich ist es zudem interessant, Vorschau und Rückblick nebeneinanderzulegen und Diskrepanzen zu analysieren.
Gedrucktes ist tot. Die einen meinen damit, dass der Printbereich den Bach runter geht und das schon seit langer Zeit. Die anderen zitieren Dr. Egon Spengler aus GHOSTBUSTERS. Und wer hat nun Recht? Niemand. Denn Gedrucktes ist nur zur Salzsäule erstarrt. Ich muss es wissen, aus eigener Erfahrung. Mich erinnert die Sache an den Film PI von Darren Aronofsky. Ein Computer hat eine Art Kurzschluss und druckt eine 216-stellige Zahl aus, welche die chemische Zusammensetzung von Silizium enthält. Der Computer erkannte sich selbst, sein Ausdruck dafür war der Ausdruck. Dann starb er. Und alle Welt rätselte, was er damit wohl gemeint hatte.
Mich deucht, es wär erst gestern gewesen. Die Menschen auf dem Erdenrund überfiel eine gallertartige Hysterie, endlich waren sie selbst in der Zukunft angekommen, die sie vorher nur aus Filmen kannten. Das Jahr 2015, es sollte ein ganz besonderes werden. Marty McFly würde endlich in dieser Zukunft ankommen und so starrten die Menschen in den Himmel voller Sehnsucht und warteten. Und warteten und warteten, denn Marty McFly landete tatsächlich am 21. Oktober 2015, allerdings in der Stadt Oberursel im Taunus. Er ging zum Bäcker und kaufte sich ein ganzes Blech Streuselkuchen, aß eine Hälfte auf und verfütterte den Rest an Enten und Schwäne im Stadtpark. Dann flog er wieder weg. Er wollte mit dem ganzen Trouble nichts zu tun haben, setzte bewusst ein Zeichen gegen diese ganze Zukunftseuphorie und dass sich die Leute nicht immer so künstlich aufregen sollen. Denn so eine Zukunft wird schnell Vergangenheit, auch sie hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum und das Mindesthaltbarkeitsdatum der Zukunft war am 21. Oktober 2015 abgelaufen, tja, Pech gehabt.
Da war er also nun, der Film der Filme, die Mutter aller…ach nee, das war ja HOT SHOTS 2. STAR WARS THE FORCE AWAKENS ist endlich da, doch was schreibt man jetzt? Fans reagieren übel auf Spoiler, selbst eine simple Schilderung der Ausgangsexposition der Geschichte kann da schon zu viel sein. Doch worum geht es grob in der sehnsüchtig erwarteten EPISODE VII? 30 Jahre sind vergangen, als die Rebellen den zweiten Todesstern über Endor zerstörten, Luke Skywalker seinen Vater Darth Vader alias Anakin Skywalker von der dunklen Seite der Macht zurückholte und das Imperium besiegt wurde. Doch das Imperium ist 30 Jahre nach der Schlacht um Endor noch sehr präsent. Es gibt eine neue Vereinigung namens „First Order“, die noch immer Rebellen nachjagt, einen maskierten Vollstrecker namens Kylo Ren und einen Anführer im Hintergrund.
Am heutigen Tag endet eine sehnsüchtige Reise. Schon wieder. Das heißt, eigentlich wird sie gestern enden werden, denn gestern ist gar nicht gestern, gestern ist erst in 3 Tagen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknoten sich zu einem intergalaktischen Knäul. Denn wenn ihr Erdenbürger das hier lest, sind diese drei Tage bereits verstrichen und STAR WARS – THE FORCE AWAKENS läuft offiziell in allen Kinos von Acapulco bis Zeitz. Ich hingegen muss noch warten, drei verfluchte Tage lang. Weil diese Zeit ungefähr so quälend ist, als würde man im Schlund des Sarlacs langsam verdaut werden, rekapituliere ich mein bisheriges Leben mit STAR WARS. Auf das der Kreis sich schließen möge.
Das Licht der Flamme malt Schatten an das nasse Relief. Hinter dem Tor verklingen die Laute der Krähen in dumpfen Hall, der Wind, der sich in den Zinnen verfängt, pfeift wie winselndes Gewürm unter der Klinge der Erhabenen. Ich friere nicht, die Flamme spendet Wärme, jedoch keinen Trost. Einsamkeit lässt mich frösteln, meine Haut ist zerklüftet, einer Landkarte gleich, die den Weg in die Verdammnis beschreibt. Die Mauern sind durchdrungen von Wurzelgeflecht, sie binden das Bauwerk an ihren Lebenszyklus, organische Materie, die über Leben, Tod und Verfall bestimmt, ähnlich meiner Haut. Sie zu sehen konfrontiert mich mit meiner eigenen Vergänglichkeit. Viel habe ich auf dem Weg hierher verloren. Ich bin nun mehr eine Hülle, eine Puppe in ehernem Kleid, graviertes Eisen, lederne Schellen, zerrissene Gamaschen. Doch mein Körper selbst ist eine viel beständigere Hülle geworden.
In der kleinen Genrefibel habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre und Subgenre der Filmwelt vorzustellen, ein Vorhaben, welches mich wohl bis nach mein Lebensende beschäftigen wird. Nun sind wir inzwischen bei Teil 40 angelangt, eine schöne Zahl, wie ich finde, und endlich ist mal Zeit für ein wirklich handfestes Genre. Denn was fällt einem ein, wenn man spontan nach einem Filmgenre gefragt wird? Richtig, der Western! Der Western ist ein richtiges Genreurgestein, und das hat triftige Gründe. Kaum eine andere Filmsparte ist so festgelegt in ihren Merkmalen, so klar definiert und doch so unendlich mannigfaltig.