Posts Tagged: Horror

Der Traumfalter Jahresrückblick 2015

Mich deucht, es wär erst gestern gewesen. Die Menschen auf dem Erdenrund überfiel eine gallertartige Hysterie, endlich waren sie selbst in der Zukunft angekommen, die sie vorher nur aus Filmen kannten. Das Jahr 2015, es sollte ein ganz besonderes werden. Marty McFly würde endlich in dieser Zukunft ankommen und so starrten die Menschen in den Himmel voller Sehnsucht und warteten. Und warteten und warteten, denn Marty McFly landete tatsächlich am 21. Oktober 2015, allerdings in der Stadt Oberursel im Taunus. Er ging zum Bäcker und kaufte sich ein ganzes Blech Streuselkuchen, aß eine Hälfte auf und verfütterte den Rest an Enten und Schwäne im Stadtpark. Dann flog er wieder weg. Er wollte mit dem ganzen Trouble nichts zu tun haben, setzte bewusst ein Zeichen gegen diese ganze Zukunftseuphorie und dass sich die Leute nicht immer so künstlich aufregen sollen. Denn so eine Zukunft wird schnell Vergangenheit, auch sie hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum und das Mindesthaltbarkeitsdatum der Zukunft war am 21. Oktober 2015 abgelaufen, tja, Pech gehabt.

Die kleine Genrefibel Teil 40: Der Western

In der kleinen Genrefibel habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, sämtliche Genre und Subgenre der Filmwelt vorzustellen, ein Vorhaben, welches mich wohl bis nach mein Lebensende beschäftigen wird. Nun sind wir inzwischen bei Teil 40 angelangt, eine schöne Zahl, wie ich finde, und endlich ist mal Zeit für ein wirklich handfestes Genre. Denn was fällt einem ein, wenn man spontan nach einem Filmgenre gefragt wird? Richtig, der Western! Der Western ist ein richtiges Genreurgestein, und das hat triftige Gründe. Kaum eine andere Filmsparte ist so festgelegt in ihren Merkmalen, so klar definiert und doch so unendlich mannigfaltig.

Fantasy Filmfest White Nights

Ja is denn heut schon Weihnachten? Oder bereits wieder März? Mysteriöse Dinge geschehen in der hiesigen Genrefilmlandschaft. Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr heißt es FANTASY FILMFEST, die NIGHTS bekommen eine Extrarunde in ausgewählten Kinos spendiert. Wenn es Anfang Dezember hoffentlich stürmt und schneit, debütieren die NIGHTS mit ihrer ersten Vorweihnachtspremiere. Willkommen bei den WHITE NIGHTS 2015.

Demons are a ghoul’s best friend

Da machte es „knack“ im urigen Unterholz, das Reisig spreiselte und die Borke bug sich bedrohlich um des Wurzels Gebölk. Die drei Kinder Mael, Aignéis und Roarke standen mit angstvoll geweiteten Augen vor einer Art überdimensionalen Fuchsbau, frisch aufgescharrte Erde ward durchdrungen von zigarrengroßen Maden, die sich schmatzend durch verrottetes Laub frästen. In ihren Händen hielten sie ein zusammengebundenes Ziegenfell voller Süßigkeiten, in Honig getränktes Dörrobst, gebrannte Mandeln und geraspeltes Süßholz, alles, was sie im Dorf hatten ergattern können als Lösegeld für Wigfield Leonie Pallasch, die vermisste Tochter des Böttchers Theyge. Es war der 31. Oktober 1640, der Wind pfiff durch den Illex und die alten Haselnussbäume, keiner traute sich auch nur einen Schritt weiter, als Mael all ihren Mut zusammennahm und mit samt dem Süßkram in den dunklen Bau kroch.

Drei Groschen Gänsehaut

Ich war, bin und werde es immer sein – ein bekennender Horrorfan. Aber was heißt das? Wenn man sagt, man liebt Horror, meint man für gewöhnlich Horrorfilme, wo es wohlig schaudert oder derbe splattatert. Aber die Faszination an Horror geht weit über bloßen Filmkonsum hinaus. Als Kind lauschte man Gruselgeschichten am Lagerfeuer, das war mitnichten ein Filmklischee. Nachtwanderungen im Ferienlager waren der letzte Schrei, in dunklen Wäldern, wo das Unterholz knackte. Nie werde ich die Schallplatte „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ vergessen. In staubigen Bodenkammern fand ich alte Bücher, las „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ von Edgar Allan Poe. Doch die entscheidende Begegnung mit Horror machte ich im Frühjahr 1990, als andere Kinder mit Lego spielten und tonnenweise Hanuta verdrückten. Die Wende brachte nicht nur Süßkram und Spielzeug in die Läden, sondern auch obskure Drehständer mit bunten, aber auch düsteren Heftchen.

I Walked with a Zombie

Die heutige Retro Review Perle ist kein Kleinod der Kindheit aus den seligen achtziger Jahren, trotz seines biblischen Filmalters sah ich den Film erst in den frühen Neunzigern, als man genretechnisch auch auf das TV-Programm angewiesen war. Zwar vertilgte ich schon Unmengen an Videothekenware, aber von dem ein oder anderen Schmankerl las man auch in der Fernsehzeitung. Es war die Zeit, als auch im ZDF zu später Stund manch schauriger Genrefilm lief, der Sender RTL mit „Hildes Wilde Horror Show“ eine Art Grindhouse-Doublefeature an Horrorklassikern ausstrahlte, von FRANKENSTEIN, DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN bis DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN. Zu jener Zeit sah ich dann auch I WALKED WITH A ZOMBIE, der bei uns ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE hieß, ein düsterer Voodoo-Horrorfilm in Schwarz-Weiß aus dem Jahr 1943.

Die kleine Genrefibel Teil 39: Tod & Teufel

Starren, Schauern, Schrecken, Grausen oder schlicht und lateinisch: Horror! Keine Sparte des phantastischen Films verzweigt sich in so viele unterschiedliche Subgenres wie der Horrorfilm. Warum ist das so? Ist der Mensch von Ängsten und Schrecken nur so umzingelt, dass er sich seit knapp 130 Jahren filmischen Schaffens daran abarbeitet? Die großen klassischen Horrorthemen, sie haben sich kaum verändert in dieser Zeitspanne. Noch immer wuseln Vampire, Werwölfe und Zombies über die Kinoleinwände und verbreiten mehr oder minder Panik in den Zuschauerreihen.

Fantasy Filmfest 2015 Quick’n’Dirty

Zwölf Tage FANTASY FILMFEST in Berlin sind zu Ende. Was für ein Festival in diesem Jahr! Draußen apokalyptische Temperaturen, im gut klimatisierten Saal 8 des CINE STARS in SONY-Center jede Menge coole Genresachen. In diesem Jahr gab es in der Tat ein paar echte Juwelen, sowohl im Vorfeld, als auch als Überraschungen, die man so nicht auf dem Schirm hatte. Wie immer schauen wir uns die Highlights aus meiner Sicht in Kurzreviews an, diesmal sind es sogar elf Filmchen, auf die sich nicht nur die Besucher der restlichen Spielstädte freuen dürfen. Los geht’s!

Die kleine Genrefibel Teil 37: Dinomania

Das Mesozoikum, was war das für eine irre Zeit. Die ganze Welt hatte sich zusammengerafft zu einem riesigen Klumpen Landmasse namens Pangäa. Die beiden größten Extremsportdisziplinen jener Zeit waren Kontinentaldriften und Massenaussterben. Jede Art, die etwas auf sich hielt, ließ sich erstmal von widrigen Umständen dahinraffen und machte so Platz für andere Spezies. Denn Platz gab´s genug. Dort, wo im Erdaltertum Riesenlibellen und Urlurche das Sagen hatten, besetzten nun diverse Kriechtiere und Reptilien die Plätze und ließen es sich gut gehen.

Ich seh, ich seh

„Guten Abend, gut’ Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Guten Abend, gut’ Nacht, von Englein bewacht, die zeigen im Traum dir Christkindleins Baum. Schlaf nun selig und süß, schau im Traum ’s Paradies.“  –  1997 schockierte Regisseur Michael Haneke das Feuilleton mit FUNNY GAMES. In der Anfangssequenz des österreichischen Skandalfilms tönte neben Händel und Mozart der Song „Bonehead“ der Avantgarde-Metallband Naked City aus dem Autoradio, schrill, schreiend, verstörend.