„Leichen pflastern unseren Weg, Schrecken ist hier Privileg. Ob in Wien oder in Berlin, nichts ist schöner als Halloween!“ trillern, tröten und krakeelen die Bewohner aus Halloweentown in TIM BURTONS NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS, als sie dem kitschverkleistersten Konkurrenzfeiertag Weihnachten den Kampf ansagen. Richtig so! Weihnachten nervt! Halloween hingegen ist mir grundsätzlich sympathisch, ein lustiger Tag fürwahr, an dem kleine Kinder mit Messern und Äxten im Schädel minütlich HARTZ 4 Empfänger aus ihren Sesseln klingeln, bis diese Amok laufen, Nötigung oder Erpressung nicht gefahndet und geahndet wird („Wir sind kleine Geister, essen gerne Kleister, wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hier kleben!“) und am Ende dann noch´n Kürbis aus der Hosentasche geholt und mittels Kartoffelschäler eine Fratze des Schreckens schnitzen. Hab ich mal gemacht, Riesensauerei!
Es ist wieder Retrostunde im Reviewbereich. Mit Besprechungen von Klassikern und alten Kamellen ist das so eine Sache. Spricht man über die Wirkung eines Filmes heute oder aus teils verklärter Erinnerung heraus? Es gibt durchaus ein paar Filme, die man sich besser nicht noch einmal angeschaut hätte, weil sie konträr zur Erinnerung plötzlich langatmig und zäh erschienen. Aber bei Retrospektiven geht’s ja nicht immer nur um Vergleiche. In meiner Kindheit gab es einige Filme, die mir in junge Jahren mächtig Angst eingejagt haben. In meiner Top Fünf der grusligsten Kindheitserinnerungen rangiert neben CRITTERS und KOJAK: MORDFALL MARKUS NELSON (?!) rangiert auch folgendes Fantasymärchen von Alexander Mitta aus dem Jahr 1982.
Und da war´s auch schon wieder vorbei – das FANTASY FILMFEST 2013. Zumindest für Berlin und Hamburg. Und wie in fast jedem Jahr ist die eigene Programmvorausplanung selbstredend für die Katz gewesen, denn ich war die ersten Festivaltage gar nicht in der Stadt. Ups! So war es mir leider nicht vergönnt, den Eröffnungsfilm THE CONGRESS von Ari Folman zu schauen. Glücklicherweise startet der Animations-Realfilm-Mix nach Stanislav Lem am 12. September regulär in den Kinos. Auch HAUNTER von Vincento Natali hab ich verpasst. Aber auch in der zweiten Festivalhälfte gab es ja ein paar Perlen zu entdecken. Werfen wir im Kurzcheck einen Blick auf sechs Filmchen des diesjährigen Programms.
Die Filme des Dänen Nicolas Winding Refn sind nicht unbedingt jedermanns Sache. Neben der PUSHER Trilogie, die ich erst sehr spät gesehen habe, hat mich vor allem BRONSON mit Tom Hardy begeistert. Seit DRIVE aus dem Jahr 2011 ist Refn einem größeren Publikum bekannt. Trotz Ryan Gosling ist DRIVE aber weit entfernt von massentauglichem Feel-Good-Entertainment. Refn inszeniert sperrige, schweigsame und abgründige Reflektionen von Gewalt und Gegengewalt. Sein neuer Film ONLY GOD FORGIVES treibt beide inszenatorischen Pfeiler von Refn noch auf die Spitze: stilisierte Langsamkeit und emotionslose Brutalität.
Nicht nur aus Tradition wegen freut es mich, den neuen Film von Drehbuchautor und Regisseur Andrew Niccol zu besprechen. Die bisherigen Kritiken sind allesamt vernichtend. Und auch ich war durchaus zwiegespaltener Vorfreude. Auf der Habenseite stand, neben Niccol, vor allem Saoirse Ronan, die ich für ein fantastisches Talent halte. Der Stoff eine klassische Niccol-Dystopie, ein cleaner Science-Fictioner mit glattem, monochromem Look. Andererseits verfilmte Andrew Niccol mit THE HOST erstmals keinen eigenen Stoff, noch dazu ein Buch von Stephenie Meyer. Kann einer meiner Lieblingsautoren verhindern, dass SEELEN eine Art Science-Fiction TWILIGHT-Schnulzenkino wird?
Eigentlich wollte ich in der Rubrik Review ausschließlich Neuheiten und Geheimtipps feilbieten. Aber nachdem mich aus dem VHS-Schrank so ein paar Genreklassiker angelächelt haben, gibt´s nun jede dritte Review eine Portion Retro, Undergroundhits und vergessene Perlen der Siebziger, Achtziger und Neunziger Jahre.
Endlich ist es soweit. Der allererste Traumfalter Artikel ANGST ESSEN VIDEOKASSETTE AUF beschäftigte sich mit der Notwendigen Übelkeit von Remakes im Horrorbereich, ganz konkret am Beispiel EVIL DEAD. Und nun isser da, der Film, jenes Remake, was herbeigesehnt oder verteufelt wurde wie kaum eine andere Neuverfilmung. Eine kurze Zusammenfassung.
In der Geschichte des Horrorfilms gab es immer wieder Marksteine des Genres, welche Trends auslösten. Fanden diese genügend Nachahmer oder Trittbrettfahrer, wurden aus Trends Subgenres. So begründete beispielsweise HALLOWEEN 1978 den Slasherfilm, eine Kannibalenfilmwelle überschwemmte Anfang der achtziger Jahre Europa und der Erfolg von RINGU zog jede Menge Japan-Horror nach sich. Subgenres können eine feinere Auslese der Zielgruppe sein, definieren sich aber auch über den Inhalt oder das Konzept. Bereits 1980 drehte Ruggero Deodato den Klassiker CANNIBAL HOLOCAUST teilweise in dokumentarischem Stil.
Abgesehen von japanischen Manga-Verfilmungen ist der Markt für erwachsene Animationsfilme relativ überschaubar. Nur vereinzelt findet man kleine Perlen wie WALTZ WITH BASHIR oder PERSEPOLIS, die ernste Themen wie Revolution, Krieg oder Tod thematisieren. Im Horrorgenre fällt einem höchstens noch FELIDAE ein, darüber hinaus sind animierte Filme für ein volljähriges Publikum ziemlich selten. 2007 realisierten sechs bekannte und gefeierte Comickünstler unter der Regie von Grafikdesigner Etienne Robial einen minimalistischen und atmosphärischen Episodenhorrorfilm, ausschließlich in Schwarz-Weiß. Trotz unterschiedlichster Animationsstile und Techniken dreht sich in FEAR(S) OF THE DARK alles um Ängste, Phobien oder Alpträume.