Film ist Film und eine Geschichte ist eine Geschichte. Im besten Fall ist in einem Film eine gute Geschichte integriert. Aber Film ist nicht nur eine erzählte Geschichte, Film ist auch viel Drumherum. Das, was die Liebe zum Film ausmacht, liegt manchmal in diesem Drumherum verborgen. Das geflügelte Pferd im TriStar Pictures Intro, der langsam eingeblendete Filmtitel oder die ausladende Titelsequenz in Bondfilmen, bis die eigentliche Geschichte beginnt, wird vom Zuschauer oft Geduld abverlangt. Andererseits hilft Vorgespanntes, um eine Stimmung zu erzeugen, in die Geschichte des Films hineingleiten zu können. Wenn die zu Ende erzählt ist, folgt für gewöhnlich der Abspann, der einen mehr oder minder behutsam auf den Parkettfussboden der Realität zurückholt.
Guten Morgen im Neuen Jahr, liebe Leser, ich habe ein wenig verschlafen, aber draußen liegt Schnee und damit ist Gleitzeit, also alles schick. Moment, ich trink mal eben noch einen Schluck. So. Wo waren wir? Ach ja, neues Jahr, neues Glück. Willkommen zum großen Jahresrückblick 2017. Im Kino lief bislang PASSENGERS mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence, eine Science-Fiction Schmonzette mit dem Klebrigkeitsgehalt von Nuspli, dass einem bisschen übel wird, aber multiples Kreischen einer einzelnen Frau hat mich überzeugt, das wird wohl doch ein Hit. Dann gab’s nach drei Jahren endlich mal wieder eine neue Folge SHERLOCK, einen Golden Globe Rekord für das Musical LA LA LAND und Nastassja Kinski hat ihre Teilnahme am Dschungelcamp abgesagt.
Nach meiner erfolgreichen Doktorarbeit über den binomialen Einfluss chaotischer Axiomensysteme am Beispiel STAR TREK, also warum nur die geraden Teile gut sind wie DER ZORN DES KHAN, ZURÜCK IN DIE GEGENWART oder DAS UNENTDECKTE LAND, also gleich als ich mit diesen Berechnungen fertig war (die Lösung war übrigens 1 1/2), blätterte ich in meinem Karteikartenschrank und wollte meine Theorie auf Filmjahrgänge ausweiten. Denn 2015 war ein fantastischer Jahrgang. STAR WARS kam zurück, MAD MAX FURY ROAD ließ die gesamte Actionkonkurrenz Staub fressen, EX-MACHINA, INSIDE OUT, BIRDMAN, SICARIO, das Filmjahr 2015 war das beste Filmjahr 2015 seit Langem. Sind ungerade Filmjahrgänge denn nun besser als gerade? Blicke ich jetzt zurück auf das Filmjahr 2016, welches genau in diesem Moment die Segel streicht, und zwar in der Farbe Möhrengelb, dann scheint sich diese Theorie zu bewahrheiten. Aber in Wirklichkeit ist alles noch viel, viel schlümmer.
„Das is doch Trick!“ entfuhr es mir und meinen Freunden, als wir, jung an Jahren, Filme wie KAMPF DER TITANEN oder DIE UNENDLICHE GESCHICHTE im Kino sahen, in denen geflügelte Pferde, Riesenskorpione oder Rennschnecken wie von Zauberhand zum Leben erweckt über die Leinwand hoppelten. Faszinierend war es schon, doch wir wussten um die mutmaßliche Gaukelei, oder hatten zumindest eine Ahnung. Zeichentrick war etwas, was man verstand, wenn man kleine Figuren am unteren Rand des Schnellhefters hinkritzelte, die sich plötzlich bewegten, wenn man die Blätter durch die Finger rattern ließ. Daumenkino nannte man das, es resultierte aus der Trägheit des Auges und machte aus Einzelbildern Animationen. So funktionierte Film und hatte man das verstanden, konnte man sich auch erklären, wie Spielzeugfiguren plötzlich lebendig wurden.
Nun ist es also wieder soweit. Wie in jedem Jahr zu Weihnachten gibt es einen neuen STAR WARS Film aus den Häusern Disney und Lucasfilm. Nee Moment, mit ROGUE ONE startet ja erst die zweite Produktion nach der Disneyübernahme des Lucas-Evangeliums. Nachdem der Mäusemelkkonzern in den letzten vier Wochen ein wahren Marketingfeuerwerk an Trailern und TV-Spots verschossen hat, ist STAR WARS wieder präsent wie nie zuvor. Und doch fühlt es sich anders an als im letzten Jahr bei der lang erwarteten EPISODE VII – THE FORCE AWAKENS. Das mit ROGUE ONE – A STAR WARS STORY nicht die Abenteuer der neuen Helden Rex, Finn und Poe Dameron weitergesponnen werden, dürften auch Unkundige der Saga mitbekommen haben. Gareth Edwards Regieeinstand im STAR WARS Filmuniversum koppelt sich aus der Familiengeschichte der Skywalkers aus und präsentiert sich als erstes Spin-Off der Reihe, wenn man mal von den Ewok TV-Filmen in den achtziger Jahren absieht.
Nun sind wir endlich in der schönen Vorweihnachtszeit angekommen, eine Zeit, in der Milch und Honig wirklich fließen, nicht nur in der Phantasie. Bevor wir aber das Film- und Serienjahr 2016 abhaken, betreiben wir noch ein wenig Rundschliff. Im Dezember 2015 fanden zum ersten Mal die Fantasy Filmfest Nights statt, das Programm war mit BONE TOMAHAWK, BASKIN und DIBBUK ganz solide. Bei den Nights 2016 im April dagegen tummelten sich ein paar echte Hochkaräter des Genrefilmjahres (THE WITCH, GREEN ROOM, THE LOBSTER, WHAT WE BECOME, HIGH RISE, MOONWALKERS), während das Jubiläumsfestival im August nicht ganz so pompös ausfiel. Eine weitere Spezialausgabe der Fantasy Filmfest Nights im Dezember aber hätte das Genrejahr perfekt abrunden können. Doch leider gibt es im Dezember gar keine White Nights, die kommen nun erst im Januar nächsten Jahres zurück.
Da wären wir also, liebe Genrefreunde, ein gar wundervolles Jubiläum zu zelebrieren – 50 Jahre Die kleine Genrefibel! Was war das für eine tolle Zeit. Ich erinnere mich noch genau, als ich die Genrefibel im Frühjahr 1966 konzipiert habe, ganze elf Jahre vor meiner Geburt. Das nenne ich Engagement über die Zeugung hinaus. Apropos Zeugung. Ich habe lang überlegt, welches Genre oder Subgenre denn für ein solches Jubiläum geeignet wäre. Zur Auswahl standen Bee-Movies (also Filme über Bienen), die Geschichte des Daumenkinos und das Microgenre Film im Film im Film. War mir im Endeffekt aber alles nicht prall genug. So blieb nur noch ein Thema übrig, das über genügend Potenz verfügt, dieses Jubiläumsloch zu stopfen. Was gibt es da zu kichern? Die kleine Genrefibel wollte schon immer aufklären, nun endlich scheint die Zeit gekommen, sich mit einem entscheidenden Triebfeld der Kunst zu beschäftigen – Erotik und Sex im Film.
Dramaturgie und Storytelling sind zwei verteufelte Windhunde. In der Analyse von Filmen und Serien kann man dramaturgische Elemente herausfiltern und verallgemeinern, dann sind sie schön logisch und jeder findet sie dufte. Figuren, Motivationen, Kausalitäten, ganze thematische Kreuze werden freigebuddelt, muss man sie aber dann im eigenen Script anwenden, sträubt sich die Feder oft, fortzufahren. Obgleich wir hier in der Rubrik Script Development schon immer hart am szenischen Beispiel gearbeitet haben, gehen wir heute noch einen Schritt weiter ins Detail und beschäftigen uns mit einem kraftvollen dramaturgischen Mittel, welches den Unterschied zwischen Larifari und einer gut erzählten Geschichte machen kann – dem sogenannten „Planting and Payoff“. Wöllte man diese beiden Begriffe nur in trockener, verallgemeinender Lehrbuchtheorie betrachten, käme man nicht weit.
Weil der erste Satz beim Schreiben einer kleinen Genrefibel immer der schwerste ist, lass ich ihn dieses mal einfach weg. Kommen wir also gleich zur Sache. Auf unserer Reise durch die Genres und Subgenres der Phantastik stehen wir wieder einmal vor einem streitbaren Thema. Vampire, Werwölfe oder Zombies, sie bestimmen als Figuren ihre jeweiligen Subgenres. Anthologien oder der Found Footage Film werden durch strukturelle oder technische Belange klassifiziert. Unser Thema heute aber heißt Stephen King, bzw. Stephen King Verfilmungen. Ist das nun ein eigenes Subgenre?
Nachdem wir uns letzte Woche mit trockenen, kalkulatorischen Aspekten des Horrorfilms beschäftigt haben, wollen wir es mal wieder richtig splattatern lassen. Reisen wir zurück in der Zeit, in eine Epoche des Horrorfilms, die noch wahrlich quietschig war. In unserer Retro Review huldigen wir heute gleich zwei Klassikern. Obgleich sie nicht gänzlich unbekannt sind, fristen sie ein Schattendasein, tauchen selten in den Listen um die besten Horrorfilme aller Zeiten auf und warten weltweit noch immer auf eine adäquate Veröffentlichung auf Blu-ray. Doch damit ist jetzt Schluss! Begeben wir uns auf einen wilden Ritt durch die Geschichte des Horrorfilms – Vorhang auf für WAXWORK von Anthony Hickox.