Willkommen zurück im Genrestreichelzoo. Unsere letzten beiden Fibeln über Männlein und Weiblein waren inhaltlich eher retrospektiv geprägt. Subgenres in einem historischen wie gesellschaftspolitischen Kontext zu betrachten, das funktioniert allerdings nicht immer und wird irgendwann auch mal langweilig. Manche Sparten im Mikrokosmos Film sind einfach zu jung, andere wiederum definieren sich stärker aus dramaturgischen Aspekten und Fragen der Interpretation. Die Themen (Echt)zeit oder Figurenensembles sind solche Beispiele und auch in dieser Folge der kleinen Genrefibel beschäftigen wir uns vorrangig mit dramaturgischen Betrachtungsweisen.
Herzlich willkommen zurück zu einer neuen Ausgabe von Spiegel TV…nee, moment…der Kleinen Genrefibel. Rückblickend betrachtet war die letzte Folge SILENTIUM vielleicht doch nicht so eine gute Idee. Das nahezu wortlose Konzept hätte ich mir aufsparen sollen. Warum hab ich nicht über Buster Keaton oder Charlie Chaplin geschrieben und dafür in der heutigen Folge lediglich Bilder sprechen lassen? Denn heute ist es soweit, liebe Genrefreunde, nach Tieren, Pflanzen, Drogen, Zeitreisen, Atombomben und Serienkillern beschäftigen wir uns mit der Wurzel allen Übels, sowohl im Film als auch im echten Leben, was immer das auch heißen mag: Frauen. Das wird sicher nicht einfach, die Gefahr ist groß, sich verbal zu vergaloppieren. Damit das nicht passiert, gilt heute Dienst nach Vorschrift. Setzen wir uns mit der gegebenen Thematik vorrangig akademisch auseinander und lassen Emotionen besser draußen. Denn Draußen ist es kalt und da passen die gut hin.
Wir begeben uns auf einen erneuten Abstecher im großen Komplex der Science-Fiction. Jenes Themenfeld ging in der Kleinen Genrefibel bislang zwei unterschiedliche Wege, zum einen den der theoretischen Überlegungen über wissenschaftliche Sachverhalte wie Zeit oder Zeitreisen, sowie der Vision einer fortschrittlichen, friedlichen Zukunft der Menschheit, einer Utopie, wie sie zum Teil das STAR TREK Franchise darstellt. Ein anderer Weg der Science-Fiction ist die Beschäftigung mit dem Stand von Wissenschaft und Forschung. Im Gegensatz zu Utopien und Zeitreisen sind Androiden und künstliche Intelligenzen durchaus reeller Natur. Und wann immer die Wissenschaft neue Erkenntnisse geschürft hat, hat das auch die Kunst und den Film beeinflusst.
Nach dreiundzwanzig mehr oder weniger kleinen Genrefibeln widmen wir uns heute mal einem ernsteren Thema – der Komik. Komik, eigentlich ein schönes Wort mit einem schönen Klang, und bei dem Wort Komik passiert auch noch nicht viel, es sei denn, man sagt Komödie, dann geht das Gackern los. Für Filmfreunde aus Deutschland mit einem Hang zum Genrefilm ist der Begriff Komödie ein Reizwort, wie auch Drama, FSK oder Pilcher. Doch das ist heute nicht Thema. Wenngleich die Komödie noch immer fälschlicherweise als Genre bezeichnet wird, Genre und Komik schließen sich nicht aus, im Gegenteil. Besonders eine Spielart der Komik ist in der Lage, die Wirkungsweise von Genrekonventionen audiovisuell zu verdichten – die Parodie. Wir wollen es heute mit der grauen Theorie nicht übertreiben. Stattdessen begeben wir uns auf einen gestreiften Zug durch die Filmgeschichte des Blödelns, Feixens, Verhohnepipelns, Zotenreißens, Veräppelns und Vergackeierns.
Die Bösartigkeit des Sturmes erweckte unglaubliche Vorstellungen, ich verglich mich erneut schaudernd mit dem einzigen Menschenabbild in diesem schrecklichen Korridor, dem Mann, der von der namenlosen Rasse in Stücke gerissen wurde, denn in dem teuflischen Griff des wirbelnden Luftzuges schien eine vergeltungslüsterne Wut zu liegen, um so stärker, als sie größtenteils machtlos war. Ich glaubte, ich schrie am Ende wie wahnsinnig – ich verlor beinahe den Verstand – aber wenn ich ihn verlöre, würden sich meine Schreie in diesem Höllen-Babel heulender Windgeister verlieren. Ich versuchte, gegen den mörderischen, unsichtbaren Strom anzugehen, aber ich war völlig machtlos, als ich langsam und unerbittlich auf die unsichtbare Welt zugedrückt wurde. Ich muss endlich übergeschnappt sein, denn ich plapperte eins ums andere Mal das unverständliche Lied des verrückten Arabers Alhazred, der von der Stadt ohne Namen ahnte: „Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt!“
Soyez les bienvenus, liebe Genrefreunde, zu einer neuen Ausgabe der Kleinen Genrefibel, die es nicht minder in sich hat als so manch andere Genresparte, denn wir feiern heute vor allem Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung und hemmungslosen Alkoholismus. Noch schöner wäre es, wenn eine entzückende Stimme mit gans kleine französische Accent das ier spreschen gönnte, abäär das geht leider nischd, es sei denn, irgendwann erscheint mal eine Öhschbielfassung. Genug erzählt, äh…genug der Vorrede, meine ich. War es mit Werwölfen, Trash und Cop Movies letztlich dezent düster in der Fibel, widmen wir uns heute wieder einem heiteren Thema, einem kleinen Stückchen der großen Subgenretorte, eine Torte wie…ja genau, wie diese Torte hier:
Mit Filmen ist das so eine Sache. Entspannend sollten sie sein, aber auch spannend. Der eine will eine Auseinandersetzung mit der Realität, ein anderer will ihr entfliehen. Diese Flucht muss nicht ständig in die Phantastik münden. Denn Phantastik entsteht auch immer dort, wo einem Erfahrungswerte fehlen, im Unbekannten. Manche interessiert das Leben auf dem Planeten Koozebane, andere würden gern wissen, wie es wohl wäre, im Knast! Natürlich nicht am eigenen Leib, aber im Kino? Mal eine Bank ausrauben, illegale Autorennen, ein Ding drehen? Das Verbrechen ist vielleicht eine der größten Sehnsüchte, wenn man stinkigen Großraumbüros, nervigen Vorgesetzten und der Langeweile des Alltags überdrüssig ist. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn ein nicht minder großer Reiz geht auch von der Verbrechensbekämpfung aus.
„Junge, wie sieht das hier schon wieder aus? Räum deine Socken in den Schrank! Und was für einen Mist kuckst du dir da schon wieder an? Das is ja widerlich!“ Echt jetzt! Dieser ganze Müll um Mord und Totschlag, Blut, schreiende Weiber und grunzende Monster. Was hat man sich schon rechtfertigen müssen für seine Filmleidenschaft, wie viele Sprüche sind gefallen, wie viele Augenbrauen haben sich schon schwer entsetzt gehoben, dabei rotierte gerade mal THE ROCK im Videorekorder. „Was ist denn dieser Genrefilm?“ höre ich in regelmäßigen Abständen. „Ist das das mit Gewalt und Blut und Horror und so?“ schüttelt sich das Gegenüber. Gerne sagt man auch: „Naja, du kuckst dir ja jeden Quatsch an!“