2013 war ein richtiges Jubiläumsjahr. 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig, wer erinnert sich noch? 50 Jahre James Bond, 100 Jahre Kreuzworträtsel. Aber vom entscheidendsten Jubiläum hat mal wieder keiner was mitbekommen. Auch der Werwolffilm wurde glatte 100. Glückwunsch, nachträglich. Wenn ich so über 100 Jahre Werwolf im Film nachdenke, bei einem Glas Ziegenmilch zum Beispiel, weitet sich mein Herz zu einem saftigen Steak. Denn der Werwolf als solcher hat maßgeblich meine sonderbare Lausbubenjugend geprägt. Vampire waren mir immer suspekt und viel zu dünn, Zombies zu ekelig und ebenfalls zu dünn, Haut und Knochen und ein wenig Moder. Geister, Hexen, Ghoule, kein Wesen der Phantasie konnte es mit der brachialen Wucht eines Werwolfs aufnehmen. Stark, animalisch, männlich, potent, kraftstrotzend, und dennoch ein Wesen mit tragischer Geschichte.
Normalerweise, so scheint es, sei die Phantastik dazu da, der Realität zu entfliehen. Beim Begriff Fantasy denkt man für gewöhnlich an Riesen, Zwerge, Drachen, Einhörner oder Zauberei, mehr noch, Fantasy erschafft für jene Wesen völlig neue Welten, weit entfernt von stinkigen Autoabgasen, verkalkten Duschbadgarnituren oder ohrenbetäubenden Presslufthammergeräuschen, jenem klischeebehaftetem Symbol einer Großstadt. Der Begriff Urban Fantasy, das klingt wie ein Widerspruch. Aber nur auf dem ersten Horcher. Fantasy ist nicht nur eine Flucht in fremde Welten. Fantasy ist vor allen Dingen Sehnsucht und Suche. Manche Phantasten verlassen auf dieser Suche die uns bekannte Welt, andere suchen in Ritzen und Spalten des grauen Alltags, in Symbolen hinter zugekleisterten Plakatwänden, in kryptischen Graffitis an Bahnhoftrassen oder in einem kleinen, unscheinbaren Buchantiquariat inmitten einer hochfrequentierten Einkaufsmeile.
In heimischen Lichtspielhäusern ist soeben der Film AMERICAN HUSTLE angelaufen, GOLDEN GLOBE Gewinner und mit zehn Nominierungen auch heißester OSCAR-Kandidat, bzw. ein Favorit für die seltene Chance auf die Big Five, also Bester Film, Regie sowie sämtliche Darstellerrubriken. Deswegen ist AMERICAN HUSTLE auch ein gutes Beispiel für ein missverständliches Auffassen von Figurenhierarchien in Filmen. Ich erinnere mich an Diskussionen um die Differenzierung von Haupt- und Nebenrollen in einen Film, was eine Nebenrolle ist, wie groß diese sein kann, darf, muss oder nicht. „Der Joker ist doch keine Nebenrolle!!!“ wird häufig skandiert. Im Grunde gibt es eine einfache Antwort, Nebenrolle ist in dem Fall nur eine vereinfachte Übersetzung, der Terminus „supporting actor“ ist treffender, die unterstützende Rolle im Bezug auf die Hauptfigur/en. Die kann durchaus als zweite Hauptrolle fungieren, in jedem Fall macht sich eine supporting role oder Nebenrolle nicht an Screentime oder Dialoganteil fest.
Liebe Genrefreunde und Hobbygärtner, wie bereits in Teil 2 der Kleinen Genrefibel durch die Blume angekündigt, wird sich die heutige Folge mit dem Einfluss von diversen Pflanzen auf die Filmgeschichte beschäftigen. Teile davon wurden ja bereits in Teil 3: Drogenfilme abgehandelt. Der kümmerliche Rest des botanischen Filmgartens allerdings gedeiht mehr schlecht als recht vor sich hin. Allein eine Tagline á la „Horrorschocker um Killerpflanzen“ löst eher Belustigung aus als einen Schaudernacken. Warum ist das so? Haben Pflanzen im Filmbereich keine Lobby, bzw. ist mit dem Thema „Floristische Phantastik“ kein Blumentopf zu gewinnen?
Ach ja, Märchenfilme, das ist ein schönes Thema für Weihnachten. Da hab ich aber kürzlich gehört, dass das nervigste an Weihnachten, neben Weihnachten an sich, nicht „Last Christmas“ von Wham wäre, sondern der Film DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL. Entweder direkt nervig, weil einem dieses Klingeling-Lied aus den Ohren heraussuppt oder indirekt nervig, weil alle bei der bloßen Nennung des Titels DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL total hysterisch ausflippen, wie schön das is und dass man das Weihnachten immer kucken muss, weil man das jedes Weihnachten gekuckt hat. Das ist wie jedes Silvester dieses dämliche DINNER FOR ONE zu schauen und immer wieder lachen zu müssen, wenn der Butler über den Eisbären stolpert. Oder war´s ein Tiger? Woher diese plötzliche Aggressivität? Es soll doch besinnlich zu gehen heuer. Am Besten wir fangen nochmal an.
Am Ende der verschrobenen Reise erreichen Bill und Joan in einem weinroten Wohnmobilpanzer die Grenze nach Anexia. Beamte mit Chapkas und Maschinengewehren halten das Fahrzeug an und bitten Bill, sich auszuweisen, fragen ihn, wohin er will und welchen Beruf er bekleide. „Ich bin Schriftsteller.“ antwortet Bill, doch die Grenzbeamten sind skeptisch, das könne ein Jeder behaupten, er solle seine Aussage beweisen. Daraufhin dreht sich Bill zu seiner schlafenden Frau Joan um und bittet sie, mit ihm die Wilhelm-Tell-Nummer durchzuführen. Joan stellt sich ein Glas auf den Kopf, Bill zieht eine Pistole und schießt Joan in den Kopf. Sie ist tot. Die Beamten nicken zufrieden und reichen Bill seine Papiere:
Eins der größten Themengebiete der Science-Fiction findet sich nicht in den Weiten des Weltraums, in außerirdischen Existenzen oder in den Fugen der Zeit, sondern in der Unfähigkeit des Menschen, außerhalb seiner biologischen Reproduktion, Leben zu erschaffen. Leben erschaffen, das war eine Gabe der Götter und somit eines der Urthemen in der Philosophie und der Kunst. Prometheus, der die Menschen nach dem Abbild der Götter formte und sie mit Eigenschaften ausstatte, die er den Göttern selbst stahl, Hephaistos, der die riesige bronzene Statue Talos zum Schutz von Kreta anfertigte bis hin zum Homunculus, einem künstlich erschaffenen kleinen Menschen. Doch die Erschaffung von Leben allein erfüllte kaum mehr den Zweck, als die eigene Sterblichkeit zu relativieren und einen Weg zu finden, den Tod zu besiegen.
Was ist das Faszinierende am Medium Film, an Geschichten, oder weitergefasst, an der Kunst selbst? Was sind die Antriebsmotoren, die Beweggründe, was bildet die Kunst eigentlich ab? Der Mangel des Vollkommenen, der Gewinn von Erkenntnis, das Hinterfragen des eigenen Ich´s innerhalb einer Gesellschaft? Da der Film ein visuelles Medium ist, bietet er die Möglichkeit, Dinge sichtbar zu machen, die in der Realität verborgen liegen. Sind Geschichten deshalb grundlegend bezogen auf Wünsche oder Sehnsüchte? Wissensdurst, die Suche nach Liebe, nach dem Sinn unseres Seins? So sehr beispielsweise Liebe Geschichten und Filmen eine thematische Basis bieten, sie ist selten das erste, was einem einfällt, wenn es um die Faszination menschlichen Verhaltens geht. Denn neben dem Sexualdrang ist es vor allem die Verhaltensweise Aggression, die anthropologisch gesehen die wichtigste Eigenschaft des Überlebens darstellt. Schlichter ausgedrückt, nichts fasziniert dem Mensch in der Erschaffung und Rezeption von Kunst so sehr wie Gewalt. Gewalt gehört zur Grundausstattung des Menschen, und er reibt sich weniger an dieser Tatsache selbst als im Versuch, sie mit den selbstaufgestellten, moralischen Auffassungen der Gesellschaft in Einklang zu bringen.
Willkommen zurück zu einer neuen Ausgabe der Kleinen Genrefibel, mit Teil 10 sogar ein kleines Jubiläum, zumindest für mich. Aus diesem Grund lass ich es mir auch nicht nehmen, über eines meiner Herzensthemen zu schreiben, über eine Franchise, einen Stoff, eine Figur, einen Mythos, der mich von Kindesbeinen an begleitet hat – der Batman. Wieder sitze ich in der Zwickmühle. Ich habe mir bereits mit Teil 6: STAR TREK Kritik eingefangen, wie eine Franchise in das Konzept von Genrevorstellungen passt. Aber ich seh das nicht so eng, denn immerhin ist das keine Abiturprüfung oder Doktorarbeit, zudem mehr eine Frage der Definition. Natürlich sind die STAR TREK- und BATMAN-Filme kein Subgenre, aber auch nicht das Ende des Wurzelgeflechtes eines Genrestammbaums. Wo befinden wir uns denn, wenn es um den Mythos Batman geht?
Das Genre Fantasy kann kompliziert sein. Ist STAR WARS Fantasy oder Science-Fiction? Fantasy ist ein schwammiger Begriff. Die meisten verbinden ihn mit Tolkien, Drachen, Rittersleuten, Barbaren oder Fabelwesen. Im Bereich Fantasy trifft man einerseits auf geschichtliche Mythologie wie auf vollkommen neue Welten. Ob das nun ganze Planeten wie Pandora oder Tattoine sind, Mittelerde oder der Hades, erscheint ebenso zweitrangig wie die Lebewesen, die diese Welten bevölkern. Das Erschaffen einer eigenen Welt kann für einen Autor das Größte sein. Doch nicht immer ist das auch das Cleverste für die Geschichte. Fremde, neue Welten eröffnen einem Autor nahezu grenzenlose Freiheiten. Man kann, mal unflätig ausgedrückt, auf Dinge wie Gravitation, Biophysik und manchmal auch Logik scheißen. In neuen Welten ist alles möglich. Doch genau das nimmt einer Geschichte nicht selten Spannungspotential. Denn je differenter die Gesetzmäßigkeiten fremder Welten gegenüber der Unseren sind, umso schwerer kann man Handlungen und Entscheidungen der Figuren darin verstehen und nachvollziehen.