Posts Tagged: Genrefilm

Das Anti-Mainstream Transpirant

Mein grippaler Infekt ist Genrefan. Zwei Wochen plagte mich der Hallerwachl mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit, doch dann kam er zur Besinnung und gab mir zwei Tage frei – am Morgen des 11. Februar war meine Erkältung plötzlich spurlos verschwunden. Zwei Tage lang Deutsches Genrekino genießen statt zu beniesen, das war mir vergönnt in den letzten 48 Stunden. Nun sitze ich hier und will das resümieren, für mich, für Euch, für meinen grippalen Infekt, der sich in dieser Zeit auf der FIFTY SHADES OF GREY – Premiere herumgetrieben hat. Was war los an zwei Tagen GENRENALE, die ganz im Zeichen des Deutschen Genrefilms standen?

Der Traumfalter Jahresrückblick 2014

Als der Mensch die Zeit erfand, war das ein irreversibler Fauxpas, denn seitdem verging sie, die Zeit, und der Mensch hatte sich ab diesem Zeitpunkt Null mit Begriffen wie Vergangenheit, Gegenwart, Zeitgeist und Eieruhr herumzuschlagen. Wann immer er mit der Zeit nichts anzufangen wusste, begann er, die Vergangenheit zu ordnen. Die da war wüst und wild, ein riesiger Haufen unaufgeräumtes Spielzeug, Actionfiguren von Hasbro, Playmobil-Burgen, Plastiksoldaten, denn da war auch Krieg und Leid und Zwist in der Vergangenheit. Doch dem Mensch ward nicht bang, denn er hatte auch die Kunst erfunden, die wann immer ihm beliebte, ihn von den sorgenvollen Wirren des Zeitgeschehens, welches er verursacht hatte, abzulenken vermochte. Seitdem harrt der Mensch seiner Gegenwart, sieht dem Zeitfluss des Jahres zu, wie er vergeht, um am Ende Kapitel für Kapitel abzuschließen in einer Retrospektive. Dann gibt´s Schnaps und der ganze Kladeradatsch geht von vorne los, langweilig, ich weiß, und so kryptisch! Was soll das? Was ist das für ein gequirlter Geheim-Scheiß-Blog hier, wir haben Jahresrückblick 2014 gegoogelt, ihr Vollpfosten.

Die dritte Gen(r)eration

Wellen. Wellen sind mir einerseits suspekt. Ich mochte schon im Mathematikunterricht ungern mit Wellen diskutieren. Andererseits bereiten sie mir auch Unbehagen und Angst. Große Wellenberge, wie zuletzt in INTERSTELLAR, finde ich schaurig. Dieses Phänomen nennt sich Cymophobie, die Angst vor Wellen. Abseits dieser fürchterlichen Betrachtung gibt es aber auch positive Wellenaspekte. Retrospektive Belange zeitrhythmischer Natur, chronologische Beständigkeit oder temporäre Empfindungen kommen auch in Wellenform daher.

Die kleine Genrefibel Teil 26: Silentium

UNDER THE SKIN

Es ist Halbzeit im laufenden Kinojahr 2014, Zeit, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Es ist ein fantastisches Filmjahr bislang, GRAND BUDAPEST HOTEL, GODZILLA, ONLY LOVERS LEFT ALIVE und HER haben bei mir bislang alle hohen Erwartungen übertroffen. In diese Reihe erstklassiger Produktionen reiht sich nun ein weiteres Juwel ein, der sogar Film des Jahres werden dürfte. Klingt alles gut, doch nun das Kleingedruckte: An vielen wird diese Perle der Kunst wohl unbemerkt vorbeigehen, und wenn man doch etwas von Jonathan Glazers Meisterwerk UNDER THE SKIN gehört hat, dann vornehmlich durch den Aufschrei kinoaffiner Genrefans, dass einer der fantastischsten Produktionen der letzten Jahre bei uns erst gar nicht offiziell in die Kinos kommt. Skandal! Was ist da los?

Die kleine Genrefibel Teil 19: Lykantropia

2013 war ein richtiges Jubiläumsjahr. 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig, wer erinnert sich noch? 50 Jahre James Bond, 100 Jahre Kreuzworträtsel. Aber vom entscheidendsten Jubiläum hat mal wieder keiner was mitbekommen. Auch der Werwolffilm wurde glatte 100. Glückwunsch, nachträglich. Wenn ich so über 100 Jahre Werwolf im Film nachdenke, bei einem Glas Ziegenmilch zum Beispiel, weitet sich mein Herz zu einem saftigen Steak. Denn der Werwolf als solcher hat maßgeblich meine sonderbare Lausbubenjugend geprägt. Vampire waren mir immer suspekt und viel zu dünn, Zombies zu ekelig und ebenfalls zu dünn, Haut und Knochen und ein wenig Moder. Geister, Hexen, Ghoule, kein Wesen der Phantasie konnte es mit der brachialen Wucht eines Werwolfs aufnehmen. Stark, animalisch, männlich, potent, kraftstrotzend, und dennoch ein Wesen mit tragischer Geschichte.

Fantasy Filmfest Nights 2014

Meint man, jetzt ist langsam mal genug mit Festivals, starten diese Woche bereits die FANTASY FILMFEST NIGHTS 2014 in Köln und Frankfurt, hier in Berlin gastiert Rosebud Entertainment am 29. und 30. März. Die kompakten NIGHTS liefern nun seit 2003 ein Wochenendprogramm Genrefilm als Appetizer für das jährliche Festival im August. Zehn Filme aus verschiedenen Genreecken stehen an, und ein paar erscheinen nicht gleich eine Woche später als Blu-ray oder DVD, was ja nicht selten kritisch und zu Recht an der Programmgestaltung angemerkt wurde. Was wird denn nun geboten bei den zwölften Fantasy Filmfest Nights?

Leidenschaft und Selbstausbeutung

Die Berliner Festivalwoche ist mittlerweile vorüber und mit ihr auch die GENRENALE2, ein Festival mit dem Label 100% GERMAN GENRE CINEMA. Genug Zeit also, um den Tag des deutschen Genrefilms ein wenig nachzuverarbeiten. GENRENALE2 im GENRENALE-PALAST Babylon Mitte, das war ein volles Tagesprogramm an Kurzfilmen, Trailern, einem Serienpiloten bis hin zu einer spätstündlichen Retrospektive, der LAST MARTIAL ARTS CHALLENGE, in der es die KAMPFANSAGE-Trilogie zu sehen gab. Das Herzstück der Veranstaltung aber war die Podiumsdiskussion “Rückkehr zur dämonischen Leinwand – Hindernisse und Chancen des deutschen Genrefilms“, in der es natürlich um das zentrale Thema für Filmemacher geht, die Genre in Deutschland machen wollen, nämlich, warum ist das so schwer, in diesem Land Genrefilme zu machen. Bevor ich näher auf die interessante Diskussionsrunde eingehe, denn das Gesagte ist wichtig und muss verbreitet werden, fangen wir doch an mit den…

Der Traumfalter Jahresrückblick 2013

Das Jahr neigt sich mit übermütiger Schiefwinkligkeit dem Ende entgegen. Soll es doch, ich werde es nicht aufhalten. Lass es ziehen wie Kamillenblütenblättertee. Das Jahr 2013 war, wie der Name schon sagt, ein ungerades Jahr. Was immer das auch heißen mag. Es macht jedenfalls großen Spaß, so ein Filmjahr am End nochmal resümieren zu können, die ganzen vorgeworfenen Audiovisualbrocken mal ordnen in seinem inneren Setzkasten der Filmleidenschaft. Die Sache ist die: Am Anfang eines neuen Jahres verschaffe ich mir meist einen Überblick über die Filme, die in den kommenden zwölf Monaten erscheinen werden. Da schwingt immer eine gewisse Erwartungshaltung mit, sei es man ist von einem Storyfetzen angefixt, von einer interessanten Adaption oder freut sich schlicht auf den neuen Film von oder den neuen Film mit, tja, sonstwem.

Die kleine Genrefibel Teil 14: Surrealism

Am Ende der verschrobenen Reise erreichen Bill und Joan in einem weinroten Wohnmobilpanzer die Grenze nach Anexia. Beamte mit Chapkas und Maschinengewehren halten das Fahrzeug an und bitten Bill, sich auszuweisen, fragen ihn, wohin er will und welchen Beruf er bekleide. „Ich bin Schriftsteller.“ antwortet Bill, doch die Grenzbeamten sind skeptisch, das könne ein Jeder behaupten, er solle seine Aussage beweisen. Daraufhin dreht sich Bill zu seiner schlafenden Frau Joan um und bittet sie, mit ihm die Wilhelm-Tell-Nummer durchzuführen. Joan stellt sich ein Glas auf den Kopf, Bill zieht eine Pistole und schießt Joan in den Kopf. Sie ist tot. Die Beamten nicken zufrieden und reichen Bill seine Papiere: